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Risiken des Hochfrequenzhandels : Das systemische Risiko der Dummheit

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Welche Unfälle hinter der Börsenkurs-Kurve passieren, bleibt für das menschliche Auge unsichtbar Bild: Coverpicture/seewhatmitchsee

Im Hochfrequenzhandel kommunizieren Maschinen mit Maschinen und bewegen in Sekundenschnelle riesige Finanzsummen. Die elektronische Parallelwelt birgt auch das Risiko, ganze Volkswirtschaften in die Krise zu stürzen.

          In einer Parallelwelt elektronischer Börsen konkurrenzieren ultraschnelle Maschinen um das schnelle Geld. Dabei kommt es immer wieder zu Zwischenfällen. In der Mehrzahl bleiben sie unbemerkt von Menschen und sind nur sichtbar für Computer. Ein neues Risikoszenario für unsere Volkswirtschaften?

          Beim Hochfrequenzhandel plazieren Computer, nicht Menschen blitzschnelle Kauf- oder Verkaufsaufträge an der Börse. Die Rechner der Börse, wiederum ganz ohne menschliches Zutun, akzeptieren oder stornieren diese Aufträge innerhalb eines Wimpernschlags. Beim Hochfrequenzhandel kommunizieren also nur Maschinen mit Maschinen – und handeln mit Finanzinstrumenten in der Geschwindigkeit von Millisekunden, bald Nanosekunden. Betreiber solch ultraschneller Hochfrequenzalgorithmen sind institutionelle Marktteilnehmer, darunter auch Hedgefonds. Von der Geschwindigkeit versprechen sie sich, Preisvorteile zu erkennen und auszunutzen, bevor ein anderer es tut. Mindestens ein Effekt des Hochfrequenzhandels wird auch dem technisch nicht versierten Privatinvestor einleuchten: Hier kann er nicht mithalten.

          Undurchsichtige Machenschaften zeitigen ganz reale Auswirkungen

          Der Hochfrequenzhandel ist so etwas wie ein legaler Insiderhandel, der die Informationsgleichheit aller Marktteilnehmer abgeschafft hat. Einzig bleibt der Trost, dass auch Hochfrequenzhändler inzwischen nicht mehr ganz so leicht Geld aus Geld machen. Ultraschnelle Strategien funktionieren nicht mehr so gut, alternative Geschäftsmodelle scheitern. Die Schließung eines großen Hochfrequenzhändlers, der Firma AienTech aus New York, liegt erst wenige Tage zurück. Die Firma wurde nur drei Jahre alt.

          Vieles in der Welt des Investmentbankings spielt sich im Dunkeln ab und bleibt geheimnisumwittert, bis diejenigen unvermeidlichen Ereignisse eintreten, die unsere Volkswirtschaften bis ins Mark treffen und an den Rand des wirtschaftlichen Ruins treiben. Noch allzu präsent sind das Bankenbeben 2008/9 oder die Euro-Krise, die – abgesehen vom staatlichen Versagen der Schuldner – auch durch die Bankenspekulation auf Anleihen schwächelnder Euroländer geschürt wurde.

          Computerfehler sind keine bedauerliche Ausnahme

          Für ein Institut, MF Global, ging die Spekulation allerdings nicht auf. Mit dem Konkurs von MF Global im November 2011 ereignete sich der zweitgrößte Zusammenbruch eines Finanzinstituts nach Lehman Brothers, allerdings fast unbemerkt von der deutschen Öffentlichkeit. Dennoch zieht die Industrie weiterhin alle Register für das vermeintlich schnelle Geld. Schon seit einer Dekade setzt die Finanzindustrie dabei vermehrt auf Computer, mathematische Modelle und Handelsalgorithmen – alles im Rahmen der sogenannten Finanzialisierung, der systematischen Ausdehnung des Finanzsektors in all unsere Lebensbereiche. An den Börsen und unter professionellen Marktteilnehmern ist das algorithmische Wettrüsten schon seit zehn Jahren voll im Schwung. Doch selbst hier ist der Weg zum scheinbar schnellen Reichtum steinig, denn Fehler und Misserfolge häufen sich, je weiter der Rüstungswettlauf voranschreitet.

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