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Bezos und Branson : Schluss mit der Langeweile, ab ins All

Zu Höherem berufen: Der Virgin-Galactic-Gründer Richard Branson Bild: Reuters

Wenn reiche Männer auf der Erde keine Herausforderungen mehr finden, suchen sie sie im All: Jeff Bezos und Richard Branson liefern sich einen Wettkampf, wer als Erster in den Weltraum fliegt. Für Elon Musk sind das Peanuts.

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          Wer ist von den vielen kleinen Raketenmännern dieser Welt eigentlich der größte? Eine ganze Weile sah es danach aus, als hätte der Amazon-Gründer Jeff Bezos die Nase klar vorn. Für seinen Blue-Origin-Raketen-Coup hatte Bezos, der vom Weltraum träumt, seit er als Kind die Mondlandung vor dem Fernsehapparat verfolgt hat, den 20. Juli (Jahrestag der Mondlandung!) gewählt. „Ehrengast“ des reichsten Mannes der Welt wird die über achtzigjährige Wally Funk sein. Eine großherzige Geste, die der Steuervermeider Bezos auf Twitter mit den Worten kommentierte, niemand habe länger als Wally Funk gewartet.

          Melanie Mühl
          Redakteurin im Feuilleton.

          Bereits in den sechziger Jahren durchlief sie nämlich ein Astronautentraining, das Funk zwar als Beste abschloss, ins All aber fliegen durfte sie trotzdem nicht. Solche Abenteuer sah die amerikanische Raumfahrtbehörde damals nur für Männer vor.

          Ebenfalls mit an Bord der New-Shepard-Rakete wird neben Bezos’ Bruder ein bislang unbekannter Gast sein, der für den kurzen Trip in die Schwerelosigkeit bei der Versteigerung 28 Millionen Dollar hingeblättert haben soll. Alles in allem also eine runde Sache.

          Bis Sir Richard Branson, 71 Jahre alt und auf der Forbes-Liste der reichsten Menschen unter „ferner liefen“, Bezos einen Strich durch die Rechnung machte. „Ich war immer ein Träumer. Meine Mutter hat mir beigebracht, nie aufzugeben und nach den Sternen zu greifen“, twitterte Branson, dessen Virgin-Galactic-Rakete an diesem Sonntag von New Mexico aus abheben soll.

          Branson findet: Das All gehört uns allen! Allerdings, das unterschlägt er geflissentlich, ist All nicht gleich All. Hundert Kilometer muss eine Rakete schon zurücklegen, denn in dieser Höhe befindet sich laut Definition der Fédération Aéronautique Internationale (FAI) die Grenze zum Weltraum – die sogenannte Kármán-Linie. Die weniger strenge NASA indes sagt: Achtzig Kilometer reichen völlig aus. Damit wäre Branson, dessen Rakete immerhin neunzig Kilometer schafft, das Astronautenabzeichen sicher.

          Bezos allerdings wirbt damit, dass die Touristen in seiner Rakete zukünftig auf 106 Kilometer hochgeschossen würden, damit sie das begehrte Abzeichen auch ganz sicher bekämen. Wäre auch ärgerlich, Hunderttausende von Dollar zu bezahlen und dann auf den offiziellen Beweis der Weltraumeroberung zu verzichten.

          Und Elon Musk? Der Gründer des Raumfahrtunternehmens SpaceX dürfte die Raketenmänner Bezos und Branson müde belächeln und tun, was er am liebsten tut: mit seinen Tweets die von Inflations- und Delta-Angst beunruhigten Börsen aufschrecken. Seine Rakete Falcon-9 hat bereits Astronauten zur Internationalen Raumstation ISS befördert. Musks persönliche Kármán-Linie ist der Mond, den er 2023 mit Touristen an Bord umrunden möchte. Fehlt nur noch einer, gewissermaßen der Vater aller kleinen Raketenmänner: Wo bleibt Koreas Kim Jong-un?

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