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Rezension : Viermal reden über Kunst und Literatur

  • -Aktualisiert am

Bild: DuMont

Zwei Künstler und zwei Schriftsteller geben Auskunft über Vorlieben und Hintergründe ihrer Arbeit.

          2 Min.

          Literatur ist populär. Jung-Autoren wie Benjamin von Stuckrad-Barre oder Christian Kracht werden fast wie Popstars gehandelt. Und Alt-Kritiker Reich-Ranicki ist eine Kultfigur, deren Bekanntheit auch für Gags in Sportsendungen ausreicht.

          Wenn Harald Schmidt irgendeine Verwechslung zwischen Walter Jens und Siegfried Lenz verschaukelt, kann er auf mitwissende Zuschauer zählen. Auf bildende Künstler hingegen reimt sich im Fernsehen wenig, auch Kunstkritik findet hier nicht statt. Der gespreizte „Bilderstreit“ mit Bazon Brock und Co. führt gegenüber dem nun auslaufenden Literarischen Quartett völlig zu Recht ein Schattendasein.

          Einen interessanten Brückenschlag hat DuMont nun vorgelegt, ein traditionell für Kunst stehender und sich erst in jüngerer Zeit in Richtung Literatur erweiternder Verlag. Es handelt sich um vier in Textform gebrachte Gespräche, die der studierte Germanist und heute vor allem als Kunstkritiker tätige Heinz-Norbert Jocks geführt hat: mit einer Künstlerin, einem Künstler, einer Literatin und einem Literaten.

          Katholische Kindheiten

          Der Dichter Durs Grünbein interessiert sich sowohl für zeitgenössische Fotografie als auch für die Körperlichkeit der Malerei Francis Bacons. Sein komplexes Sprechen lebt von vielfältigen, bis in die antike Philosophie zurückreichenden Bezügen. Er berichtet von Quellen, sich Lyrik als sprachliche Verdichtung des Ungleichzeitigen anzueignen, aber auch über sein Verhältnis zum Sozialisationshintergrund DDR. Dass eine Art innerer Emigration spezifisch für die dortigen Verhältnisse sei, glaubt er nicht. Mit bestimmten intellektuellen Positionen sei man überall Außenseiter.

          Offensiv zu ihrer Herkunft bekennt sich Marlene Steeruwitz, die gut zehn Jahre ältere, österreichische Schriftstellerin und Theaterregisseurin. Sie berichtet von der Schwierigkeit, in den konservativen Wiener Verhältnissen als schreibende Frau überhaupt ernst genommen zu werden. Angesichts der radikal feministischen und antipatriarchalischen Position, die sie unverblümt einnimmt, überrascht es zunächst, dass sie, neben Andy Warhol und einigen Vertretern der Concept Art, die eher martialischen Gesten des Bildhauers Olaf Metzel schätzt. Dessen Nähe zum Bühnenbild berührt allerdings ihre eigene Theaterpraxis. Auch die Plüschtiere des amerikanischen Künstlers Mike Kelley faszinieren Steeruwitz. Sie sieht Bezüge ihrer katholischen Erziehung zu Kelleys „Catholic tastes“.

          Vorliebe für Kuscheltiere

          Kelley, Gesprächspartner des dritten Bandes, gibt Einblicke in die Unterschiede zwischen New Yorker und der kalifornischen Kunstszene oder erklärt, warum die Hippie-Bewegung ihm nicht aus seiner Detroiter Jugenddepression helfen konnte. Das grenzüberschreitende Werk des 1954 geborenen und in Los Angeles lebenden Künstlers, der auch Essays schreibt und Musik macht, hat viele jüngere Künstler beeinflusst.

          Die Französin, Annette Messager, mit Jahrgang 1943 die Älteste in Bunde, verwendet wie Kelley auch Plüschtiere in ihren Installationen. Die Fragmentierung des Körpers, etwa wenn sie Fotos einzelner Körperteile gerahmt neben- und übereinander hängt, hat für sie weniger mit Gewaltsamkeit als mit der potentiellen Vermischung der Geschlechter zu tun. Die Beziehung zur Sprache liegt für sie auch in einer typisch französischen Vorliebe für Wortspiele, ein Humor, der einem deutschen Künstler wie Anselm Kiefer etwa vollkommen abgehe.

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