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Rezension : Richard Prince sammelt Werbeschrott in seinen Fotografien

  • -Aktualisiert am

Bild: Hatje Cantz

Neuer Katalog: Richard Prince verwertet die amerikanische Werbewelt mit ihren starken Männern auf wilden Pferden und spiegelt sie erbarmungslos.

          Anlässlich einer umfassenden Werkschau im Kunstmuseum Wolfsburg präsentiert der Verlag Hatje Cantz einen ersten Überblick von Fotografien und Gemälden des amerikanischen Szenekünstlers Richard Prince.

          In zwei Bänden liegt das Buchprojekt als Künstlerbuch vor. Wieder einmal ein Katalog, der ganz aus der Perspektive des Künstlers gestaltet wurde, ganz aus dem Bild lebt und kaum Text benötigt. Der rot gebundene Band führt unmittelbar in das fotografische Werk hinein, der blaue verzeichnet beeindruckend die weniger bekannten Gemälde von Richard Prince.

          Der Künstler als Sammler

          Die Massenmedien haben es ihm angetan. Irgendwann in den frühen 80ern kam der Prince auf die Idee Reklamebilder abzufotografieren, die er zuvor aus Magazinen ausgerissen hatte. Seltsam bekannte Bilder von Zigarettenetuis und Schreibgeräten, fein drapierte Accessoires aus der bunten, manchmal auch biederen Welt der Werbung. Der Bilderkosmos, des inzwischen in der amerikanischen Provinz eingetauchten Künstlers könnte amerikanischer nicht sein. Der Marlboro-Cowboy erscheint bei ihm als das Urbild der westlichen Kultur: Überlegen, herrschsüchtig und paranoid. Die ehemaligen Werbebildchen gerinnen zu Botschaften einer euphorisch aufgeladenen Entfremdungskultur.

          Das Leben jedenfalls ist anderswo. Die Fotografien scheinen die Wirklichkeit schon überwunden zu haben. Die Gemälde sind in Wirklichkeit gar keine Gemälde. Eher handelt es sich um Reorganisationen von Cartoons und Witzen. So, wie ja auch die Fotovorlagen keine Fotografien des Künstlers sind. Es entsteht eine Teilhabe an der Künstlerperspektive, die wie ein kulturelles (Medien)- Gedächtnis funktioniert, eine Art Weltkulturerbe.

          Wenig erhellende Erläuterungen

          „Haarscharf an den Grenzen der Differenziertheit“ werden Fotografie und Gemälde als autonome Werke identifiziert. So heißt es in einem Beiheft, in dem, also doch, einige Hinweise auf das Werk und das Buchprojekt untergebracht sind. Bruce Hainley versucht in einem Essay eine atmosphärische Annäherung: „Cowboy und Paket und Frankenstein. Wilde Reiter. Riesenschwanz“.

          Die Unterscheidung zwischen den Gattungen bleibt so diffus, wie eine Gattungsabgrenzung auch im Werk selbst kaum gelingt. Im Text werden etwas hilflos formale Unterschiede betont, dabei wäre es erhellender gewesen gerade die Gemeinsamkeit herauszuarbeiten. So schlägt man am Ende das rote und das blaue Buch wieder zu und wüsste nur zu gerne mehr über diesen Chronisten der amerikanischen Paranoia. Aber eigentlich erzählen die Bilder ja genug.

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