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Rezension : Ein großer Architekt ins rechte Licht gerückt

  • -Aktualisiert am

Bild: cantz

Der Wiener R. M. Schindler wurde in Kalifornien zu einem der interessanten Architekten Amerikas.

          2 Min.

          Zu den größten Namen der modernen Architektur hat man ihn lange nicht gerechnet. Der 1887 in Wien geborene und 1953 in Los Angeles verstorbene Architekt Rudolf M. Schindler galt als eher regionale Größe, die europäische und amerikanische Einflüsse geschickt verband und eine Reihe attraktiver Wohnhäuser in Kalifornien baute.

          Heute nennen die Fachleute Rudolf M. Schindler in einem Atemzug mit Le Corbusier oder Mies van der Rohe. Vielleicht brauchte es die Erfahrung mit dem postmodernen Stilpluralismus, um in Schindlers offenen Glasflächen nicht nur Frank Lloyd Wright oder in der Zusammenfügung von Flächenformen die holländische De Stijl-Bewegung wiederzuerkennen. Vieles geht über etwaige Vorbilder weit hinaus. So gibt es schräg auslaufende Dächer und zerplitternde Kanten, die wie ein Dekonstruktivismus avant la lettre wirken. Nicht von ungefähr gehört Frank O. Gehry zu den größten Bewunderern Schindlers. Wie unterschwellig einflußreich Schindlers Architektur war, zeigen unter anderem seine Entwürfe für Tankstellen der Firma Standard Oil, die so bekannte Bilder wie die des Pop-Künstlers Edward Ruscha in den 1960er Jahren inspirierten.

          Von Wien nach Los Angeles

          Schindlers Anfänge in Wien sind von Otto Wagner, bei dem er auch studierte, sowie von Adolf Loos geprägt, der ein Vorreiter der ornamentlosen Moderne war. Doch bereits 1914 emigrierte Schindler nach Chicago. Er reiste nach Mexiko, wo ihn die erdverbundene Adobe-Architektur faszinierte, die er auch in etliche Zeichnungen festhielt. 1917 wurde Schindler Mitarbeiter im Büro von Frank Lloyd Wright, was schon lange sein Wunsch gewesen war.

          Wright schickte Schindler 1920 für die Überwachung des Baus von Olive Hill nach Los Angeles. Hier ließ Schindler sich bald nieder. Schon 1921/22 entstand eines seiner berühmtesten Häuser, das für ihn selbst errichtete Kings Road House in West Hollywood. 1922 eröffnete er hier ein eigenes Studio und entwarf vor allem Ein- und Mehrfamilienhäuser, aber auch Geschäftsräume, Restaurants und Motels. 1926 kam sein Freund Richard Neutra ebenfalls aus Wien nach Los Angeles. Er wurde sein Firmenpartner. Neutras rigider Modernismus wurde in den Vereinigten Staaten sehr erfolgreich, so dass sein Name lange Zeit bekannter war als der Schindlers.

          Schon das Kings Road House zeigt wesentliche Charakteristika, die für Schindlers Bauweise kennzeichnend bleiben: die offene, leichte Bauweise mit Glas und Rotholz, die Verwendung von vor Ort gegossenen Betonplatten und bewußt billiger Materialien wie Pressspan oder Fiberglas, sowie den Bruch mit der herkömmlichen Raumaufteilung, der Trennung von privaten, intimen und öffentlichen Bereichen des Hauses. Auch ist das Gebäude in unmittelbarem Bezug zum Garten gestellt, der Gegensatz von Innen und Außen wird tendenziell aufgehoben. Mit seinen fast schwerelos wirkenden Wänden erinnert der Flachbau auch an japanische Wohkultur.

          Ein gut bebildertes Standardwerk

          Die vorliegende Publikation führt in kompetenten Aufsätzen exzellent in Schindlers Werk ein und vermittelt den aktuellen Forschungsstand. Die zahlreichen Abbildungen rücken Schindler auch als einen der besten Architekturzeichner des 20. Jahrhunderts ins rechte Licht. Damit liegt endlich ein Standardwerk vor, das eine große Lücke im Bücherregal vieler Architekturinteressierter schließen wird.

          Erschienen ist das Buch als Katalog zu der bislang größten Schindler-Ausstellung, die vom Museum of Contemporary Art in Los Angeles konzipiert wurde und ist bis zum 10.2.2002 im Museum für angewandte Kunst (MAK) in Wien zu sehen ist. Im MAK fand bereits 1986 eine kleinere Schindler-Schau statt. Heute unterhält das Museum eine Los Angeles-Dependance in Schindlers Kings Road House.

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