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Reuters' Bildbearbeitung : Gaza-Flotte: Messer wurden weggeschnitten

Die Version ohne Messer, das offenbar ein Gaza-Aktivist in Händen hielt Bild: REUTERS

Die Agentur Reuters hat Bilder vom Kampf auf dem Gaza-Schiff „Mavi Marmara“ manipuliert. Das fand ein amerikanisches Blog heraus. Reuters sagt, der Fehler sei bei einer üblichen Beschneidung entstanden. Doch die Fehlerhäufung ist ungewöhnlich.

          Die Nachrichtenagentur Reuters ist in Erklärungsnot: Sie hat Fotos vom Kampf auf dem Gaza-Hilfsschiff „Mavi Marmara“ so bearbeitet, dass Messer, die Aktivisten in Händen hielten, nicht zu sehen waren.

          Anne-Christin Sievers

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Am 31. Mai hatten israelische Soldaten das türkische Passagierschiff „Mavi Marmara“ gegen den Widerstand von Aktivisten gestürmt und dabei neun Männer erschossen. Das Schiff war Teil eines Konvois, der Hilfslieferungen in den Gazastreifen bringen wollte. Am vergangenen Wochenende hatte Reuters dazu Bilder veröffentlicht, die an Bord des Schiffes aufgenommen worden waren. Die Originale stammen von Aktivisten der türkischen Organisation IHH, die das Schiff gechartert hatte. Das amerikanische Blog „Little Green Footballs“ schaute genauer hin und verglich die Bilder mit anderen Quellen und siehe da: Reuters hatte zwei Aufnahmen stark beschnitten.

          Drei prekäre Details

          Ein erstes Bild, das in der türkischen „Hürriyet“ veröffentlicht worden war, zeigte einen Aktivisten mit einem Messer in der Hand. In der ersten Version von Reuters war die Stichwaffe jedoch verschwunden. Einige Stunden später veröffentliche die Agentur kommentarlos eine zweite Version, auf der das Messer zu erkennen war. Trotzdem wurde das verfälschte Bild in zahlreichen Zeitungen abgedruckt. Das sei ein Versehen gewesen, sagte ein Reuters-Sprecher zu dem Vorhalt, die Agentur habe bewusst manipuliert. In der Branche sei es üblich, Fotos an den Rändern zu beschneiden. Reuters habe die Originalbilder sofort nachgereicht, nachdem der Fehler bemerkt worden war.

          Mit Messer und Blutlache, Foto vom 31. Mai

          Ginge es nur um ein Bild, klänge die Erklärung vielleicht glaubhaft. „Little Green Footballs“ fand aber ein weiteres Bild, das die Zweifel erhärtet: Auf dem Foto, das auf der Internetseite der IHH erschien, ist ein israelischer Soldat zu sehen, der von Aktivisten bedrängt wird. Der Bildausschnitt, den Reuters wählte, enthält dem Betrachter drei prekäre Details vor: Nun wurde nicht nur ein Messer in der Hand eines Aktivisten, sondern auch eine Blutlache am Bildrand rechts unten abgeschnitten, die Hand eines Verletzten ist auch nicht zu sehen. Soll man das mit einer branchenüblichen Bildbearbeitung erklären? Zwei Bilder mit Messern, bei denen die Messer weggeschnitten werden? Die Blogger sind skeptisch: „Die meisten Menschen würden das Messer doch für einen entscheidenden Teil des Kontextes halten, zumal es eine große Debatte über die Frage gab, ob die Aktivisten bewaffnet waren.“ Zur Manipulation des zweiten Bildes äußert sich Reuters wie zum ersten Fall: alles normal.

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