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Restitutionsansprüche : Steindorffs Wille

  • -Aktualisiert am

Da soll noch mal einer sagen, niemand läse mehr die Zeitung: Nach einem Aufsatz des Ägyptologen Jan Assmann verzichtet die „Jewish Claims Conference“ nun auf die Leipziger Lehrsammlung von Georg Steindorff.

          Ein Aufsatz eines großen, engagierten Forschers, des Heidelberger Ägyptologen Jan Assmann nämlich, hat außergewöhnliche Wirkung gezeigt. Rechtswirkung nachgerade. Der Universität Leipzig drohte nämlich der Verlust ihrer altägyptischen Sammlung. Das Berliner Verwaltungsgericht hatte Ende Mai entschieden, die im Jahr 2009 geltend gemachten Ansprüche der „Jewish Claims Conference“ auf Rückgabe seien rechtens.

          Der jüdischstämmige Ägyptologe Georg Steindorff, der bis 1934 in Leipzig lehrte und schon lange emeritiert war, als ihm die Nationalsozialisten die Venia Legendi nahmen, hatte im Jahr 1937 seine beispiellos reichen Lehrbestände an die Universität verkauft. Und zwar, wie das Gericht mit weit hergeholten Argumenten meinte für möglich halten zu sollen, eventuell unter Zwang und unter Wert. Weit hergeholt, denn die naheliegendste Auskunftsquelle, der Ägyptologe selbst, hatte es nicht so gesehen. Er hatte damals sogar ein höheres Angebot ausgeschlagen, weil er wollte, dass seine Lehrsammlung in Leipzig und nirgendwo anders bleibe.

          Was niemand für möglich hielt

          Als Steindorff im Jahr 1939 aus Deutschland floh, war er ein Ausnahmefall: Seine große Reputation sorgte dafür, dass er damals sämtliche Wertsachen mitnehmen durfte. Noch nach dem Kriege hat er brieflich seine hohe Befriedigung über den Leipziger Standort seiner Sammlung geäußert. Vom Land Sachsen verlangte er zwar Pensionsrückzahlungen und die Begleichung anderer Rechnungen, aber niemals einen Nachschlag für die Sammlung oder gar deren Rückgabe. Auch sein nach Berlin zur Gerichtsverhandlung angereister Erbe bekräftigte das und plädierte für Verbleib.

          Das alles erreichte das Rechtsgefühl des Gerichtes nicht, es entschied auf Restitution. Unter der Frage „In wessen Namen wird entschädigt und zurückgegeben?“ schilderte der Ägyptologe Jan Assmann in den „Geisteswissenschaften“ dieser Zeitung (F.A.Z. vom 8. Juni) diesen Vorgang. Und es gibt Zeitungsleser, und es gibt Verstand, und es ist eingetreten, was vor einer Woche noch niemand für möglich hielt: Die „Jewish Claims Conference“ verzichtete jetzt auf ihren Restitutionsanspruch, was sie ehrt, die Sammlung bleibt in Leipzig, die Universität wird das Erbe Georg Steindorffs und die Erinnerung an diesen ihr so verbundenen Kollegen pflegen.

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