https://www.faz.net/-gqz-7oe5q

Restaurants googlen Besucher : Der gläserne Gast

Wie weit geht der Spitzenservice im Restaurant? In Amerika werden die Grenzen verschoben Bild: picture alliance / fStop

Google macht’s möglich: Amerikas Luxusrestaurants spionieren online ihre Besucher aus, damit jeder Gast vom richtigen Kellner bedient wird - und um zu vermeiden, dass sich Konkurrenten beim Abendessen unfreiwillig zu nahe kommen.

          1 Min.

          Wenn ich auswärts essen gehen möchte und keine Idee habe, wohin, dann schaue ich bei Google nach. Dass Restaurantbesucher umgekehrt via Google & Co auch Informationen über mich, ihren Gast, heraussuchen und für ihre Zwecke nutzen, war mir neu. In Amerika gehört das längst zur gängigen Praxis.

          Sandra Kegel

          Verantwortliche Redakteurin für das Feuilleton.

          New Yorker Küchenchefs geben die Namen, die sie in ihren Reservierungsbüchern finden, regelmäßig bei sozialen Netzwerken wie Facebook und LinkedIn ein. Was die an Informationen preisgeben, wird peinlich genau notiert. So erzählte der Küchenchef des „Eleven Madison Park“ jetzt freimütig dem Magazin „Grubstreet“, dass er jeden Vormittag die Namen aller Gäste, die abends zum Dinner erwartet werden, bei Google überprüft.

          Einen Tisch für Scarlett Johansson, bitte!

          So kann er seinem Gast zum Geburtstag ein Ständchen singen lassen, dessen Hochzeitstag mit einer Überraschung würdigen oder eine Glutenunverträglichkeit berücksichtigen. Dabei geht er so weit, einem Gast, der etwa aus Montana kommt, den Kellner zuzuteilen, der aus derselben Ecke des Landes stammt. Noch bevor ein Fremder das Restaurant betritt, hat man dort also schon einen ziemlich genauen Eindruck davon, wer gleich durch die Tür tritt.

          Vor allem teure Restaurants wollen auf das Ausspionieren ihrer betuchten Kundschaft keinesfalls verzichten – weil sich durch die Anordnung der Tische gewisse Korrespondenzen herstellen lassen, und umgekehrt die empfindlichen Gemüter vor allem aus der Hochindustrie weit entfernt voneinander plazieren werden, falls die Restaurantwahl zwei Konkurrenten einmal unfreiwillig zusammenführt. In Zukunft, so viel steht fest, reserviere ich nur noch unter dem Namen Scarlett Johansson. Dann lande ich vielleicht bei Joaquín Phoenix.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Der demokratische Präsidentschaftskandidat Bernie Sanders feiert mit seiner Frau Jane und Anhängern im texanischen San Antonio seinen Vorwahlsieg im Bundesstaat Nevada.

          Vorwahlen der Demokraten : Sanders siegt, die Basis streitet

          Der linke Senator Bernie Sanders gewinnt im Bundesstaat Nevada und führt das Feld der Demokraten im Vorwahl-Marathon nun deutlich an. Doch die Freude ist getrübt: Nicht nur Berichte über russische Wahlkampfunterstützung sorgen bei den Demokraten für Unruhe.
          Angekaufter Goldschmuck auf dem Tresen einer Münzhandlung

          Teures Edelmetall : Der unheimliche Aufstieg des Goldes

          Die Gold-Rally scheint kein Ende zu finden. Was sagt das aus über eine Welt, in der Anleger zuhauf ihr Geld in ein zinsloses Edelmetall investieren wollen?
          Menschenleere Straße in der norditalienischen Stadt Codogno

          Wegen Coronavirus : Italien riegelt Städte im Norden ab

          Kein europäisches Land hat mehr Infektionen mit dem Coronavirus registriert als Italien. Nun greift die Regierung zu drastischen Maßnahmen: Zehntausende Menschen werden praktisch eingesperrt, alle Veranstaltungen abgesagt. Auch drei Erstligaspiele fallen aus.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.