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Republikanische Genesis : Wissensglaube

Wie entstand die Erde? So genau weiß das niemand, meint Marco Rubio - entweder in sieben Tagen oder in sieben Zeitaltern. Für das BIP ist es ohnehin unerheblich.

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          Marco Rubio, der neueste Hoffnungsträger der Republikaner, weiß alles über die Evolution des Hiphop. Wie die unablässige Variation von Gesten immer wieder einen neuen Fingerzeig hervorbringt, wie ein auf Kosten aller anderen Organe entwickeltes Mundwerk perfekt an die Umweltbedingungen des Musikmarkts angepasst ist - darüber berichtet der Senator aus Florida dem Interviewer von „GQ“, dem Fachblatt für Geschlechtspartnerwahl, mit dem Enthusiasmus des Privatgelehrten. Um eine Liste der größten Tiere des Sprechgesangs gebeten, antwortet er nicht: Ich bin kein Musikwissenschaftler, Mann!

          Als er aber darüber Auskunft geben soll, wie alt seiner Ansicht nach die Erde ist, will er plötzlich nichts mehr wissen: „Ich bin kein Naturwissenschaftler, Mann!“ Allerdings sind die Naturwissenschaftler den dann doch erstaunlich ausführlichen Darlegungen Rubios zufolge auch gar nicht zuständig für die Entscheidung unter den „vielen Theorien“, die in Umlauf sind darüber, „wie das Universum geschaffen wurde“. Bis ans Ende der Welt, prophezeit der republikanische Hoffnungsträger, wird über den Anfang der Welt gestritten werden: „Ob die Erde in sieben Tagen geschaffen wurde oder doch in sieben Zeitaltern, auf diese Frage werden wir wohl nie eine Antwort finden, das ist eines der großen Geheimnisse.“

          Macht euch die Erde untertan

          War der heilige Augustinus also der erste Kritiker eines wörtlichen Verständnisses des Schöpfungsberichts aus dem Buch Genesis, als er seine Zeitalterlehre entwickelte? Oder war seine Gliederung der Heilsgeschichte in sieben Epochen nicht sehr wohl mit einem siebentägigen Schöpfungsprozess zum Auftakt des ersten Zeitalters vereinbar? In den Vereinigten Staaten, dem gelobten Land der Freiheit, alles zu glauben, sollten „die Leute“ nach Rubio jedenfalls „die Möglichkeit“ haben, die Erdentstehungstheorie ihrer Wahl „zu lehren“.

          Doch warum eigentlich? Rubio äußert die Überzeugung, „dass das Alter des Universums nichts zu tun hat mit Bruttosozialprodukt oder dem Wirtschaftswachstum der Vereinigten Staaten“. Macht euch die Erde untertan: Was dieser Befehl Gottes in Alaska oder vor der Küste Floridas bedeutet, sollen Theologen debattieren, nicht Ökonomen, Juristen und Geologen. Man nenne Marco Rubio keinen Fundamentalisten. Er tut so, als nähme er die Bibel beim Wort, und will dann gar nichts auf sie bauen.

          Patrick Bahners

          Feuilletonkorrespondent in Köln und zuständig für „Geisteswissenschaften“.

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