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Spielzeug : Der große Dreh

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.- Andreas Pein

Kleine japanische Kreisel mit Namen „Beyblades“ sind bei Jungen im Moment das beliebteste Spielzeug überhaupt. Wie konnte das passieren? Reise in eine Parallelgesellschaft, die hinter der Kinderzimmertür beginnt.

          9 Min.

          Vor ein paar Wochen brachte ein kleiner Junge zwei Kreisel aus der Schule mit nach Hause. Sie sahen aus wie flache, breite Schrauben und bestanden aus einer metallenen Scheibe und etwas buntem Plastik. Es schien nichts Besonderes an ihnen zu sein, und als der Junge sagte, er habe sie gefunden, glaubte ich das sofort. Danach verschwand er in sein Zimmer, wo er versuchte, die Kreisel mit der Hand in Gang zu bringen. Es war ein mühsames Spiel, aber er gab sich ihm konzentriert hin.

          Am anderen Tag gingen der Junge und ich in einen Spielzeugladen, um das Zubehör zu besorgen, das ihm zu seinem Fund noch fehlte. Wie ich erfuhr, handelte es sich bei dem, was ich für einen ambitionierten Kreisel gehalten hatte, um einen „Beyblade“, der nur mit einer speziellen Spannvorrichtung und einer Reißleine zu starten war, die es allerdings nicht einzeln sondern nur zusammen mit einem neuen Kreisel zu kaufen gab.

          Die Verpackung sah aus, als würde sie eine komplizierte, aber, wenn sie denn einmal zusammengebaut wäre, auch gefährliche Maschine enthalten. Ihre Eigenschaften waren in einer Tabelle auf der Rückseite in Angriff, Verteidigung und Ausdauer unterschieden und mit Sternen bewertet worden. Einerseits machte mir schon die Tatsache, dass unser neuer Freund, laut Verpackung hieß er „Dark Gasher“, nicht in jeder Kategorie die volle Punktzahl erreicht hatte, auf dem Weg zur Kasse klar, dass es neben ihm noch weitere Kreisel geben musste. Andererseits kamen mir fünfzehn Euro nur für diesen einen schon nicht gerade günstig vor. Ich hatte ja keine Ahnung. Hätte ich Ahnung gehabt, ich hätte den gesamten Bestand des Ladens gekauft.

          Kämpfer und Sammler

          Zuhause angekommen spielten der Junge und ich gegeneinander. Jeder spannte seinen Kreisel in die Startvorrichtung ein, zog die Reißleine durch und mit einem Geräusch, als schlage eine Stahlkugel auf schwingungsarm verlegtes Laminat, fielen die Kreisel auf den Boden. Stirn an Stirn beugten wir uns darüber und sahen zu, wie sie mit leisem Brummen durch den Raum wanderten. Manchmal überschnitten sich ihre Kreise, und wenn ihre Metallringe dann aufeinander trafen, klang es, als hätten wir, der Junge und ich, die Klingen unserer Schwerter gekreuzt. Manchmal begegneten sie sich auch nicht, sondern drehten nebeneinander her, bis einer von ihnen schließlich ins Taumeln geriet und umfiel, dann war uns das genauso recht. Der Kreisel, der zuletzt noch stand, hatte in jedem Fall gewonnen.

          „Beyblade, Beyblade, let it rip!“, sang der Junge, wenn ein Spiel begann, und danach, als beschwöre er unheimliche Kräfte herauf, zählte er die Namen aller Kreisel auf, die er kannte und von denen ich noch nicht wissen konnte, wie vertraut sie mir bald sein würden. Es war, als rufe er sie in die Arena, zur Schlacht, ins Leben, „Libra!“, „Aquario!“, „Sagittario!“, „Capricorn!“, „Storm Pegasus!“, und hörte nicht damit auf, als er schon im Bett lag und das Licht in seinem Zimmer längst aus war.

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