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Spielzeug : Der große Dreh

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Die Serie startete Mitte August vergangenen Jahres, einundfünfzig Folgen lang, immer nachmittags, Montag bis Freitag, jeweils zwanzig Minuten. Nach einem verhaltenen Beginn zogen die Zuschauerzahlen nach einigen Wochen spürbar an und erreichten dann im Dezember Einschaltquoten, die bei mehr als zwanzig Prozent lagen und damit über denen von Avatar oder von SpongeBob, des Schwammkopfes, der zu den erfolgreichsten Trickfilmfiguren des Senders gehört. Soweit die Fakten, aber wenn Lutz Schütte sie aufzählt, ist schwer zu sagen, ob er sich diesen Erfolg nicht erklären kann oder ob ihm nur die Erklärung dafür nicht gefällt.

Die Beyblades werden vom amerikanischen Spielzeughersteller Hasbro vertrieben, der zu den großen der Welt zählt und zum Beispiel auch das Brettspiel Monopoly verkauft. Als Hasbro vergangenes Jahr entschied, die Kreisel auf den deutschen Mark zu bringen, verhandelte es mit Nickelodeon über eine Zusammenarbeit, in der sich am Ende beide an den Kosten für die Synchronisation der Trickfilmserie beteiligten, die Serie selbst kostete Nickelodeon nichts, Hasbro hatte sie in Asien eingekauft und dem Sender geschenkt. So hatten beide etwas davon. Hasbro machte das Produkt bekannt, Nickelodeon bekam billiges Programm, und weil das eine dem anderen Schwung gab, entstand eine Spirale, die sich schneller drehte, als das die Kreisel der Jungen aus der Schule je könnten.

Die Faszination kommt sicherlich daher, sagt Lutz Schütte, dass die Kinder etwas nachspielen können, was sie im Fernsehen gesehen haben. Dann schweigt er einen Moment, und am Ende gibt er mir einen Kreisel, der übrig geblieben war vom Gewinnspiel, das Hasbro und Nickelodeon zum Start der Serie auslobten. Es ist tatsächlich ein Storm Aquario. Ich will ihn zuerst wirklich nicht annehmen, weil mich stört, wenn ein Kinderfernsehsender Werbespots als Programm ausgibt, aber dann denke ich an das verloren gegangene Paket des Internethändlers, die Fahrten zu den Spielzeugläden, die fünfzehn Kreisel, die allein Leonard aus der dritten Klasse hat, und schließlich nehme ich ihn doch.

Wie sagte Ginga Hagane in der Serie doch gleich? „Die Macht eines Beys hat nichts mit Angriff oder Verteidigung zu tun. Was zählt sind die Gefühle seines Besitzers. Wenn Du all die Kraft in Dir versammelst, wirst Du ein Herz haben, das so weit ist wie der Sternhimmel.“

Prototyp einer neuen Generation

Die deutsche Zentrale von Hasbro sitzt in Dreieich, in der Nähe von Frankfurt am Main, für Presseanfragen ist Rafaela Hartenstein zuständig, die leider schon so gut wie in Nürnberg ist, wo in zwei Tagen die weltweit wichtigste Spielwarenmesse beginnt, auf der Hasbro den Prototypen eines neuen Beyblade vorstellen wird.

Rafaela Hartenstein will nichts vorwegnehmen, nur so viel: „Denken Sie mal über das Thema Fernsteuerung nach.“

„Fernsteuerung?“ fragt der kleine Junge am Abend. „Das wäre der Wahnsinn!“

Die Bahn fährt fünf Stunden nach Nürnberg, was bedeutet, dass wir sehr früh aufstehen müssen, wenn wir es zur Präsentation schaffen wollen, und doch genügt ein Flüstern durch den Türspalt, und zehn Minuten darauf steht der kleine Junge abfahrbereit an der Tür. Als er sich auf dem Weg ausmalt, welcher Aufwand wohl getrieben werden wird, um der Welt den ersten ferngesteuerten Kreisel vorzustellen, klingt es, als stelle er sich einen Zirkus mit einer Manege vor, und es beschäftigt ihn, wie er die Geheimhaltung, der er sicher unterliegen wird, einhalten und dennoch in der Schule davon erzählen kann, was er gesehen hat.

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