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Nachfolgekampf bei DuMont : Der verlorene Sohn

  • -Aktualisiert am

Kronprinzenrolle: Konstantin Neven DuMont Bild: dpa

Konstantin Neven DuMont glaubte, er werde einmal eine Verlegerdynastie fortführen. Seit kurzem weiß er, dass er sich geirrt hat. Andere wussten das schon länger.

          9 Min.

          Konstantin Neven DuMont wohnt ein paar Kilometer außerhalb von Köln. Es ist eine Adresse, die der Taxifahrer nur mit Navigationssystem findet. Der Weg führt aus der Stadt, über den Fluss und die Autobahn an einer Reihe kleinerer Orte vorbei, die wiederum nur Ortsteile sind, getrennt von Feldern und Weiden, auf denen Pferde grasen. Im letzten dieser Orte liegt, wie im Rücken der anderen Häuser, ein Grundstück, das von einem dichten Zaun umgeben ist. Dahinter kommt nur noch Wald, davor ein schweres Tor, an dessen Klingelschild ein Name steht: „K. Mustermann“. Kein schlechter Witz für einen, der gerade alles verloren hat, weil er im Internet unter hundert falschen Namen mit sich selbst diskutiert haben soll.

          Konstantin Neven DuMont ist der Sohn von Alfred Neven DuMont. Seine Familie besitzt einen der größten und ältesten Verlage in Deutschland. Ihr gehören Zeitungen in Köln, Frankfurt, Hamburg, Berlin und Halle, sie führt das Haus in der elften Generation. Konstantin Neven DuMont hätte die zwölfte sein sollen. Seit seiner Jugend arbeitete er schon im Verlag, inzwischen saß er im Vorstand, und es schien nur eine Frage der Zeit zu sein, bis sein Vater ihm die Macht übergeben würde.

          Alle Funktionen verloren

          Da tauchte vor fünf Wochen das Gerücht auf, Konstantin Neven DuMont verwende verschiedene Identitäten, um im Blog eines Berliner Medienjournalisten wirre Kommentare abzugeben. Er kritisiere andere Verlage, eigene Zeitungen, verbreite Verschwörungstheorien oder unterhalte sich mit sich selbst. Die Einträge, an manchen Tagen mehr als dreißig, erschienen unter Namen wie „Desillusionierter“, „Fragender“, „Menschenrecht“, „Nachtschicht“, „Ordensschwester“, „Schlauberger“, „Kopf Schüttel“, „Hans Wurrst“, „Simone“ oder „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen“. Allerdings stammten sie von einer Emailadresse. Seiner.

          Medien-Imperium am Rhein: Der Hauptsitz des Verlags M. DuMont Schauberg in Köln
          Medien-Imperium am Rhein: Der Hauptsitz des Verlags M. DuMont Schauberg in Köln : Bild: ddp

          Die Geschichte schlug hohe Wellen. Die Zeitungen berichteten fast täglich, oft mit seltsam hämischem Unterton. Konstantin Neven DuMont gab Interviews, konnte die Sache aber nicht aufklären. Kurz darauf wurde er vom Verlag auf unbestimmte Zeit beurlaubt, in dieser Woche nun verlor er alle seine Funktionen. Seitdem ist Konstantin Neven DuMont nur noch Konstantin Neven DuMont.

          Ein Wohnhaus nach ayurvedischer Bauart

          Er steht in der Tür seines Hauses. Ein großer, schlanker Mann mit langen schmalen Händen und einem feingeschnittenem Gesicht, das Sakko fällt ihm um die Brust ein wenig weiter. So kennt man ihn von Fotos. Nur das Prinzenhafte, das auf diesen Fotos immer auch zu sehen war, ist weg. Er sieht jetzt so einundvierzigjährig aus, wie er ist. „Kommen Sie herein“, sagt er.

          Er führt durch sein Haus, das gebaut ist wie ein Schweizer Kreuz. Die gesamte untere Etage ist ein einziger Raum aus vier offenen Ecken, die sich um eine leere Mitte gruppieren. Rechts breitet sich eine lederne Sofalandschaft aus, links befindet sich ein Kamin und geradeaus steht etwas, das mehr an einen riesigen Konferenztisch erinnert als an einen Esstisch, um den sich eine Familie versammelt. Konstantin Neven DuMont hat eine Frau und vier Kinder, drei Mädchen und einen Jungen, zwischen zehn und sechzehn Jahre alt, aber bis auf eine Kiste mit Legosteinen, die vor dem Kamin liegt, verweist auf den ersten Blick nichts auf sie. Alles ist nur groß und weit und leer.

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