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Katholische Kirche : Im Land der Mutlosen

Ein Segen
          11 Min.

          Klingelt das Telefon im Kloster. Anruf aus dem Heiligen Land. Wir haben das Grab von Jesus gefunden, und er lag drin! Darauf der Pater: Den gab's wirklich?

          Hannes Hintermeier
          Feuilleton-Korrespondent für Bayern und Österreich.

          Ein Witz, der zum Kern führt. Zu dem, was man heute alles nicht mehr voraussetzen kann. Dass es ihn gab, diesen Jesus aus Nazareth. Dass er die am besten erforschte Figur der Weltgeschichte ist. Diese und noch viel mehr Gewissheiten sind denjenigen abhandengekommen, die sich zweitausend Jahre nach seinem Tod in seinem Namen versammeln.

          Das öffentliche Bild der katholischen Kirche in Deutschland wird geprägt von prügelnden Klosterbrüdern, einem alkoholkranken Bischof, pädophilen und homosexuellen Priestern. Die Amtsträger mauern entweder oder rechnen öffentlich miteinander ab. Und über allem thront der vermeintlich distanzierte Papst aus Deutschland, den in diesen Strudel hineinzuziehen nicht ganz gelungen ist. An Versuchen hat es nicht gefehlt. Die „Süddeutsche Zeitung“ titelte am 15. März auf Seite eins „Benedikt XVI. schweigt“. In einer „Zeit maßloser Polemik“ (Benedikt XVI.) kam dann trotzdem eine Erklärung; aber auch sie linderte nicht die Wut auf die Institution. Die Rolle des Papstes in der Kirche wird dabei mit Begeisterung fehlinterpretiert - als wäre er ein Fußballtrainer oder Vorstandsvorsitzender.

          Wegweisend? Eine der Sandsteinfiguren der Dresdner Hofkirche schaut auf Passanten
          Wegweisend? Eine der Sandsteinfiguren der Dresdner Hofkirche schaut auf Passanten : Bild: APN

          Sie haben Angst

          Solidarität mit dem Papst ist besonders bei deutschen Bischöfen keine Paradedisziplin. Einer, der sich öffentlich mit Benedikt solidarisiert, ist der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst. „Papst Benedikt steht für einen Glauben, der inhaltlich in der Lage ist, den Diskurs mit dieser Welt zu führen - für das gewinnnende Profil einer Kirche mit Tiefe und Weite.“ Es bleibt für den Limburger Bischof ein Rätsel, warum sich ausgerechnet die als Reiseweltmeister erprobten Deutschen so schwer mit einer globalen Kirche tun. „Überall auf der Welt erfährt man sich als katholischer Christ zuhause, wenn man die Heilige Messe besucht. Auch wenn wir die Sprache nicht verstehen, hilft uns der Ritus, zu folgen.“ Der „größte Schatz“ seines Bistums seien die muttersprachlichen Gemeinden - Katholiken aus sechsundneunzig Nationen. „Diese Vielfalt in der Einheit hilft uns, Katholizität zu begreifen.“

          Dabei hilft manchmal ein Blick von außen. Andrew Ngah stammt aus Kamerun, ist seit neun Jahren Priester und studiert seit zwei Jahren im Seminar von St. Georgen in Frankfurt. In seiner Heimat ist Deutschland als ehemalige Kolonialmacht nicht gut angesehen. „Deutsch“ benutzt man als Synonym für harte Arbeit und schlechte Bezahlung. Deutschland sei nicht sein Traumziel gewesen, erzählt der temperamentvolle Priester. Aber sein Aufenthalt gebe ihm die Gelegenheit, Vorurteile zu korrigieren; seit zwei Jahren kommt er viel in Mitteldeutschland herum, als Vertreter für urlaubende oder kranke Pfarrer. Sein erster Eindruck: „Tolle Kirchen, aber keine Leute drin.“ Sein zweiter Eindruck, wenn er auf Bahnreisen in die versteinerten Mienen der Mitreisenden schaut. „Sie haben Angst, Angst vor dem Unbekannten.“ Er könne das nachvollziehen auf Grund der deutschen Geschichte, dass es hier einen Sonderweg gegeben habe. Dass man nach Hitler ein Problem mit Befehlen habe.

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