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Jagd auf Plagiatoren : Die Scanner

  • -Aktualisiert am

Plagiate in der Dissertation von Veronica Saß, Karl-Theodor zu Guttenberg, Mathias Pröfrock und Silvana Koch-Mehrin (v.o.n.u.) Bild: „Guttenplag“, „Vroniplag“

Sie haben die Plagiate bei Karl-Theodor zu Guttenberg entdeckt, bei Veronica Saß und bei Silvana Koch-Mehrin. Aber keiner kennt ihre Namen. Wer sind die Leute, die Deutschlands falsche Doktoren zu Fall bringen?

          Als Silvana Koch-Mehrin zurücktritt, läuft der Gründer von „Vroniplag“ gerade über den Golfplatz. Sein Handy hat er nicht dabei. Nach dem Sport isst er mit einem Freund zu Abend, das Handy bleibt in der Tasche, aus Höflichkeit und weil der Mann nicht mit Neuigkeiten rechnet. Als er schließlich allein ist und nach Mitteilungen schaut, sieht er, was sie auf Twitter schreiben: Silvana Koch-Mehrin gibt alle ihre Ämter ab. Tweet um Tweet verkündet das. Es ist Mittwochabend, der Mann fährt nach Hause, setzt sich an den Computer und fängt an, E-Mails zu beantworten und neue zu verschicken. Er werde noch einige Zeit damit zu tun haben, erzählt er dabei am Telefon. Egal, dass er die Nacht davor schon kaum geschlafen hat. Es geht ja gerade erst los.

          Dabei könnte man meinen, der Mann sei seit diesem Mittwoch am Ziel. Silvana Koch-Mehrin, Vorsitzende der FDP-Fraktion im Europäischen Parlament, musste zurücktreten. „Es ist unmöglich, dass sie damit durchkommt“, hatte der Mann noch vor zweieinhalb Wochen gesagt. Nun ist sie weg.

          Karl-Theodor zu Guttenberg, dessen Doktorarbeit die erste war, die er auf Plagiate durchsuchte, ist lange weg, am Mittwoch bestätigt das Gutachten der Uni Bayreuth, was der Mann die ganze Zeit über gewusst hat. Am selben Tag gibt das Grimme-Institut in Düsseldorf bekannt, dass „Guttenplag“ für den Grimme-Online-Award nominiert ist. Veronica Saß, deretwegen der Mann „Vroniplag“ gegründet hat, wird ebenfalls am Mittwoch von der Universität Konstanz der Doktor aberkannt. Doch dem Mann reicht das nicht. „Dieser Machtmissbrauch muss dauerhaft ausgerottet werden“, sagt er.

          Plagiate in der Dissertation von Karl-Theodor zu Guttenberg

          Die Nutzer wollen anonym bleiben

          Als wir vor gut drei Wochen eine Mail an „Vroniplag“ schicken, ruft der Mann noch am gleichen Abend zurück. Man könne ihn gern treffen, sagt er und schlägt ein schönes, altes Café in der Stadt vor, in der er lebt. Zum Treffen bringt er Koch-Mehrins Dissertation mit und eine Baseballmütze für den Fall, dass man ihn entgegen der Absprache doch fotografieren wolle. Der Mann will anonym bleiben, weil er als Selbständiger viele konservative Kunden hat, denen sein Kampf gegen das System wohl nicht gefiele, wie er meint. Doch verstecken will er sich nicht. Man solle ihn Goalgetter nennen, das ist der Name, den er auf der Plattform im Internet trägt.

          Als die Doktorarbeit von Karl-Theodor zu Guttenberg im Internet auseinandergenommen wird, ist Goalgetter fast von Anfang an dabei. Er entdeckt die Plattform einen Tag nach ihrer Gründung. Ein Doktorand, der sich PlagDoc nennt, hatte das offene Wiki angelegt, damit möglichst viele Leute gemeinsam Textstellen vergleichen können. Das Wiki funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie das Online-Lexikon Wikipedia, jeder kann mitschreiben und bestehende Einträge verändern. „Guttenplag“ wird schon nach wenigen Stunden gelesen und gefüllt, die Nutzer jedoch wollen anonym bleiben, aus verschiedenen Gründen; einer davon ist, dass sie keinen institutionellen Schutz genießen. Ein anderer, dass in ihrer Gruppe die Identität keine Rolle spielen soll. Jeder soll an seinen Leistungen gemessen werden.

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