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Elternteilzeit : Der eilige Vater

Gut eingepackt: Patrick Bugner mit seiner Tochter Sophie im Frankfurter Holzhausenpark Bild: Frank Röth

Kurz nachdem seine Tochter Sophie auf die Welt gekommen war, nahm Patrick Bugner drei Monate Elternteilzeit. Seine Frau ging weiter arbeiten, er kümmerte sich um das Kind. Er wollte es gut und auch richtig machen. Jetzt kehrt er ins Büro zurück.

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          Patrick Bugner trägt eine blaue Umhängetasche mit Sternenmuster. Er schiebt den Kinderwagen in einem Tempo vor sich her, in dem andere Menschen joggen. „Tut mir leid“, sagt er „wir waren ein wenig grantig“. Mit „wir“ meint Patrick Bugner nicht sich, sondern seine Tochter Sophie, neun Monate alt, blond, klein, zart mit sehr großen dunklen Augen. Die Augen hat sie von ihm. Sie hat eine helle Mütze auf, ihre Hände stecken in Handschuhen. Sie sieht zufrieden aus. Sie weint nicht, sie gibt auch keine Geräusche von sich, sie schaut einen nur fragend an.

          Melanie Mühl

          Redakteurin im Feuilleton.

          Anfang Oktober begann Patrick Bugners Elternzeit, das ist zwei Wochen her. Er ist jetzt drei Monate lang Vollzeit-Vater und diese Zeit mit Sophie will er nutzen und nicht möglichst schnell hinter sich bringen, wie es manche Väter tun, die lieber Golf spielen als zum Babyschwimmen zu gehen. Dazu gehört für Patrick Bugner zum Beispiel mit Sophie die Vater-Kind-Gruppe zu besuchen, die, wie der Name sagt, nur für Väter und nicht für Mütter ist. Die Gruppe trifft sich jeden Montag Nachmittag in Frankfurt-Bornheim zum Spielen und Reden. Patrick Bugner und Sophie besuchen sie heute zum ersten Mal. „Ich bin gespannt“, sagt er.

          Außer Patrick Bugner und Sophie ist erst ein Vater mit seinem Kind da, die beiden schmusen auf einer Turnmatte. Väter, die nicht auf dem Fußboden herumkrabbeln, können an einem Tisch oder auf einem Sofa sitzen. „Zieh doch deine Schuhe aus, das machen wir hier alle“, sagt der Gruppenleiter, ein sanfter, schlaksiger Mann. Patrick Bugner lässt seine Schuhe an. Er ist zurückhaltend und beobachtet neue Situationen, bevor er sich auf sie einlässt. Später zieht er seine Schuhe doch aus. Er setzt Sophie auf den Boden und sagt: „Schau, was die hier für tolle Sachen haben!“ Sophie ist auch zurückhaltend, es dauert eine Weile, bis sie spielt, statt nach ihrem Vater zu gucken. Patrick Bugner sagt: „Das Vorsichtige hat sie von mir und meiner Frau. Wir sind beide so“.

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          Nach und nach kommen mehr Väter und Kinder. Am Ende sind es acht Väter und acht Kinder. Die Kinder sind zwischen fünf Monate und drei Jahre alt, die Väter haben ihre Thermoskannen, Pampers und Hipp-Gläser in praktischen Taschen mit Klettverschluss verstaut, die offenbar ihre Frauen gekauft haben, da sie rosa sind, rot oder lila. Eine Vater trägt Socken, auf denen R und L steht. Bald sitzen die Väter im Halbkreis, trinken Kaffee und sprechen über ihre Kinder. Wie gut oder schlecht sie schlafen, ob sie oft krank sind oder selten und was man am besten tut, wenn das Kind nachts seinen Schnuller ausspuckt.

          Ein Kinderzimmer gibt es nicht

          Niemand erzählt von seinem Beruf. Die Männer führen exakt dieselbe Art von Gesprächen, die Frauen führen, wenn sie mit ihren Kindern Spielgruppen besuchen, als wären sie mit der Vaterzeit Mütter geworden. Patrick Bugner sagt: „Es beruhigt, dass sich andere dieselben Gedanken machen“. Ein Vater fragt: „Kann Sophie eigentlich schon laufen?“ „Wir laufen an der Hand“, sagt Bugner „sitzen können wir aber noch nicht“.

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