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Das sparende Spanien : Dann werden wir eben Weltmeister

Zapatero mit Schere: Protest in Spanien Bild: dpa

Wenn selbst der Schneider des Königs arbeitslos ist, wissen die Spanier, was ihnen bevorsteht, und rüsten sich für die Talfahrt. Fluchen ist erlaubt, Jammern verpönt.

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          Den Farbprospekt über den Räumungsverkauf, den er der Tageszeitung beilegen lässt, nutzt ein iranischer Teppichhändler in Madrid auch dazu, seine Geschichte zu erzählen. Dort, wo er seit fünfundzwanzig Jahren sein Geschäft hat, nahe am Bernabéu-Stadion, beschloss die Stadt, einen Sicherheitsausgang für die Metro zu bauen. Dadurch musste der Teppichhändler mehr als vier Jahre lang eine hässliche Baugrube, Holzplanken und infernalischen Lärm vor seiner Ladentür ertragen, und je weiter der Bagger in die Erde vorstieß, desto tiefer rutschte sein Absatz. „Nach einem langen Kampf mit den Banken“, heißt es im Prospekt in großen roten Lettern, „sahen wir uns gezwungen, Insolvenz anzumelden.“

          Paul Ingendaay
          Europa-Korrespondent des Feuilletons in Berlin.

          Banken hatten in Spanien noch nie einen guten Ruf, doch inzwischen nennt man sie als Mitzocker und vermeintliche Verursacher des Übels beim Namen. Ihre Kommissionsforderungen waren schon immer unverschämt und die gewährten Zinsen erbärmlich. Zu schweigen von der sichtbaren Bevorzugung reicher Kunden, die auch in Kleinigkeiten bessere Bedingungen aushandeln können. Doch anders als in Deutschland, wo rund achtzig Prozent des Wohnraums gemietet werden, wohnen vier von fünf Spaniern im Eigenheim und nehmen deshalb schon in jungen Jahren die Finanzierung ihrer Immobilie in Angriff. Der Kreditvertrag mit variablen Zinsen stellt also den traditionellen Begleiter des Spaniers vom frühen Erwerbsleben bis zur Pensionsgrenze dar. Die Bank gibt, die Bank nimmt.

          Die Kassen leer, die Gräben tief

          Jetzt, wo die internationale Finanzwelt von den hochverschuldeten PIIGS-Staaten (Portugal, Irland, Italien, Griechenland, Spanien) spricht, die den Euro in Gefahr brächten, gilt es im Kopf zu behalten, dass das Leben auf Pump in Spanien seit langem Alltag ist. Leben, so könnte man sagen, heißt hier: Schulden machen. Warenhäuser, Reiseveranstalter, auch die Banken selbst ermuntern ihre Kunden dazu, teure Konsumartikel auf Raten zu kaufen und die Sorgen auf morgen zu verschieben.

          Seit einem Jahr pausiert sein Schneider: Auch König Juan Carlos - hier mit dem spanischen Ministerpräsidenten Zapatero - muss sparen
          Seit einem Jahr pausiert sein Schneider: Auch König Juan Carlos - hier mit dem spanischen Ministerpräsidenten Zapatero - muss sparen : Bild: dpa

          Wenn im europäischen Vergleich vom Defizit der Staatshaushalte die Rede ist, erscheint allerdings nicht immer das vollständige Bild. In Spanien kommen zu einem mit 51 Prozent des Bruttoinlandsprodukts verschuldeten öffentlichen Haushalt die schwer belasteten Privathaushalte (Schulden in Höhe von 89 Prozent des Bruttoinlandsprodukts), die Finanzinstitute (107 Prozent) sowie die sonstigen Unternehmen (143 Prozent). Macht zum Ende des Jahres 2009 eine Gesamtverschuldung von 390 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Zum Vergleich: Deutschland lag Ende des Jahres bei 203 Prozent, Italien bei 233 und Großbritannien bei 283 Prozent.

          Der spanische Sumpf ist also besorgniserregend, viele Bürger haben einen solchen Ernstfall noch nie gesehen. Der auf Brüsseler Ermahnungen hin durchs Parlament gepeitschte Sparhaushalt - in den Medien „der große Schnitt“ genannt - markiert nicht nur den Tiefpunkt des Ansehens von Ministerpräsident Rodríguez Zapatero, sondern gilt als bitterste wirtschaftspolitische Maßnahme, seit Spanien zur Demokratie wurde. Dass in besonnenen Meinungsartikeln vergeblich zur Solidarität ermahnt wird, ist freilich kein Krisensymptom, sondern politische Normalität. Spanien streitet nun einmal. Jedes Thema ist dafür gut, den Graben zwischen links und rechts zu vertiefen. Angesichts der Lage und einer möglichen Handlungsunfähigkeit der Zapatero-Regierung im kommenden Herbst lässt es sich die konservative Opposition nicht nehmen, den Parteienstreit über das Wohl des Landes zu stellen. Auch die Regierung hat begriffen, dass sie vom Sessel rutscht. Zapateros Stellvertreter José Blanco versuchte sogar, die sozialistische Sparpolitik in einer berüchtigten Klatsch- und Radausendung im Fernsehen unters Volk zu bringen. Man nahm es als Verzweiflungstat.

          Krisengeschichten haben Konjunktur

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