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Ben Tewaag : Draußen

  • -Aktualisiert am

Nach 586 Tagen aus dem Gefängnis entlassen: Ben Tewaag Bild: F.A.Z. - Daniel Pilar

Ben Tewaag hat einiges versucht, um mehr als nur der Sohn von Uschi Glas zu sein. Aber auch Prügeln und Randalieren hat nichts geholfen. Am Ende saß er achtzehn Monate lang im Gefängnis. Nun ist er raus, aber noch nicht frei.

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          Auf einmal hieß es, Ben Tewaag sei wieder draußen. Er sei in Hamburg gesehen worden, wie er in einem alten amerikanischen Wagen durch die Straßen fuhr, Schritttempo, das Verdeck geöffnet, Arm auf der Tür. Er habe eine Sonnenbrille getragen, seine Haare seien bis auf eine Glatze heruntergeschoren gewesen, die Leute im Café aber hätten ihn erkannt und schlecht über ihn geredet, nachdem er um die Ecke gebogen war. Der Auspuff seines Wagens sei noch eine ganze Weile lang zu hören gewesen, dunkel und bedrohlich. So zumindest wurde es erzählt.

          Benjamin Tewaag ist achtzehn Monate hinter Gittern gewesen. Er hatte einen Kameramann mit Rum übergossen und angezündet, in einer Disko einem Mann in den Hals gebissen, einem anderen Mann im Streit um ein Taxi die Nase gebrochen, Polizisten beleidigt, Kokain genommen, randaliert, und seine eigene Freundin zusammengeschlagen. Immer wieder hatte er Bewährungsstrafen bekommen, bis er dann auf einmal doch ins Gefängnis musste. Nun war er offenbar wieder frei.

          Der Wagen ist ein Chevrolet Camaro, Achtzylinder, Baujahr 1967, rot, mit zwei weißen Streifen auf der Motorhaube. Zwischen den Sitzen liegen ein paar leere Dosen Red Bull und eine vertrocknete Rose, am Rückspiegel hängt ein kleines Paar Boxhandschuhe, und hinter dem Lenkrad sitzt Ben Tewaag und steuert den Wagen aus Hamburg hinaus. Als er kurz vor der Autobahn in einen Tunnel kommt, gibt er Gas und lässt den Motor aufheulen. Dann schaut er herüber und lächelt.

          Er fährt ab, hält an einer Tankstelle, kauft sich ein alkoholfreies Bier und ohne, dass erkennbar wäre, warum, dreht er um und fährt nach Hamburg zurück

          „Wir fahren einfach mal los“, sagt er, „keine Ahnung wohin.“

          „Wenigstens hier können sie nicht hinterher, dachte ich“

          Benjamin Tewaag ist der Sohn der Schauspielerin Uschi Glas, aber was das für ihn heißt, hat er erst verstanden, als er einundzwanzig Jahre war. Bis dahin stand er nur in der Zeitung, wenn seine Mutter die Reporter ins Haus gelassen hatte, um ihre glückliche Familie zu zeigen. Nun hatte er einen Unfall mit dem Motorrad gehabt, ein Auto hatte ihn angefahren, er trug keine Schuld. Die Zeitungen aber schrieben, er fahre eine Höllenmaschine und habe keine Fahrerlaubnis. Es war, als müsse es einen Fehler geben in dem Bild, das seine Mutter abgab, und dieser Fehler sollte er sein.

          In den nächsten zwölf Jahren rissen die Berichte über Unfälle, Prügeleien, Drogen, Bordellbesuche, Beleidigungen, Sachbeschädigung und wieder Prügeleien nicht mehr ab, bis sie im Februar vorigen Jahres vor der Justizvollzugsanstalt Preungesheim ein Ende fanden. Die Reporter standen schon am Tor, als Ben Tewaag kam. Er musste an ihren Kameras vorbei, um ins Gefängnis zu kommen.

          „Es klingt komisch“, sagt er, „aber als ich dann im Hof stand, war ich fast erleichtert. Wenigstens hier können sie nicht hinterher, dachte ich.“

          Wenn er heute davon erzählt, wie er als Kind eines Prominenten nicht für weich gehalten werden wollte und sich darum hart gab, bis man ihn irgendwann für böse hielt, wie diese Geschichte immer weiter fortgeschrieben wurde, in der er sich nicht wiederfand, aber nicht richtigstellen konnte, bis er sich schließlich sagte, dann sei er eben böse, klingt das, als habe er die ganze Zeit darauf geachtet, was andere von ihm hielten und sei gar nicht dazu gekommen, etwas Eigenes zu finden.

          „Vielleicht musste ich einfach tiefer bohren als andere“, sagt Ben Tewaag.

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