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Vieh in der Stadt : Rent a Huhn

Macht Städter mit Landlust froh: Bauer Lüft mit Huhn. Bild: dpa

Wem im Supermarkt die Eier aus Freilandhaltung nicht frisch genug sind, dem wird geholfen: Bauer Lüft vermietet Hühner für das perfekte Frühstücks-Ei. Er ist auf Monate ausgebucht.

          Obwohl jeder zweite Deutsche davon träumt, in einem Bauernhaus zu leben, zieht es immer mehr Menschen in die Stadt. Alles drängt zur Natur und steuert zugleich den SUV durchs Wohngebiet. Was nach Widerspruch klingt, folgt einer Logik, die bis zu den Romantikern reicht: Wahrer Natursehnsucht lässt sich erst als Kontrapunkt zur Urbanisierung frönen. Nach Schrebergärten, Bienenstöcken und Stricken ist ein Service namens „Rent a Huhn“ unter Stadteltern mit Nachhaltigkeitsbestreben der jüngste Schrei. Ausgedacht hat sich die Sache mit den Miethühnern ein Bauer aus der Nähe Frankfurts. Und schon jetzt ist er ausgebucht bis nächsten Sommer.

          Sandra Kegel

          Redakteurin im Feuilleton.

          Alles, was man braucht, sind 25 Quadratmeter freie Fläche, und schon können die gefiederten Untermieter im Garten oder auf der Terrasse einziehen. Das Einsteigermodell – fünf Hühner für zwei Wochen samt Futter, Stall und Zaun – kostet inklusive Endreinigung 118 Euro. Neben Schulen und Altenheimen sind vor allem Frankfurter Familien über die temporären Gäste ganz aus dem Häuschen. Von seinen sechshundert Hühnern schickt Bauer Lüft derzeit 250 auf Exkursion in die Mittelschicht. Vorher werden die Tiere in einer Art Hühnerschule auf ihren Außeneinsatz vorbereitet. Schließlich sollen sie Kindern nicht nur als lebender Beweis dafür dienen, dass Eier nicht im Supermarkt zur Welt kommen. Vielmehr muss sich das Federvieh mitunter stundenlang liebkosen und herumtragen lassen. Von der therapeutischen Wirkung seiner Hühner scheint Bauer Lüft so überzeugt wie seine Kunden. Ob die Hühner viel zu lachen haben? Besser als in den Legebatterien der Massentierhaltung geht es ihnen bei ihren Streicheleinsätzen aber allemal. Eine Eierleggarantie gibt Bauer Lüft gleichwohl nicht. Auch sollte man abends die Stalltür tunlichst abschließen, Großstadtmarder könnten sonst dafür sorgen, dass Kinder mit einem Anblick jenseits ihrer Bauernhof-Bilderbücher konfrontiert werden. In Amerika sind Hühner als Mode-Accessoire schon seit längerem im Einsatz.

          Schauspieler und Models wie Gisele Bündchen, Reese Witherspoon und Liz Hurley halten ihre Hühner in die Kamera wie weiland ihren Hund. Sie lassen ihnen sogar Anzüge stricken. Bei aller Begeisterung fürs liebe Federvieh fällt einer durch den Rost: der Hahn. Bauer Lüft vermietet jedenfalls keine. Zu laut, zu aggressiv, das gibt Ärger mit der Nachbarschaft und mit den Kindern. So bleibt für die männlichen Küken die traurige Wahrheit, dass weiterhin jedes Jahr vierzig Millionen gleich nach dem Schlüpfen geschreddert werden. Weil sie weder Eier legen noch Fleisch ansetzen. Und streicheln kann man sie auch nicht.

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