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Religion : Prominente unterstützen christliche Fundamentalisten

  • -Aktualisiert am

Trotz Verbindungen zur Mun-Sekte werben internationale Prominente weiter für das Buch einer christlich-fundamentalen Stiftung.

          2 Min.

          Ob im Fernsehen, an Plakatwänden oder in Zeitschriften: Im Moment scheint man nirgendwo vor religiösen Geständnissen scheinbar erleuchteter Sportler oder Künstler sicher zu sein. "Kraft zum Leben", das ist der Titel des Buches, dem Menschen wie Philip Prinz von Preussen, Cliff Richard oder Paulo Sergio nach eigenem Bekunden neue Lebensfreude und Seelenheil verdanken.

          Genauso glücklich zu werden wie die Stars aus Sport, Unterhaltung und High Society scheint nicht schwer: Bei dem prominenten Antlitz steht eine Telefonnummer, unter der sich jeder eine Gratisausgabe des Glückbringers bestellen kann. Die meisten müssen allerdings bis zu sechs Wochen auf das Seelenheil warten: Die Werbekampagne hat so gut eingeschlagen, dass die "Arthur S. DeMoss-Stiftung", die das Buch verschenkt, mit der Lieferung nicht nachkommt.

          DeMoss-Stiftung hüllt sich in Schweigen

          Internationale Medien haben keine Chance, mit den Verantwortlichen der Stiftung zu sprechen. Interview-Anfragen werden abgelehnt. Geheimnisvoll ist auch der Internetauftritt: Wer wissen will, wem er die Gratislektüre zu verdanken hat oder gar eine Kontaktadresse sucht, geht leer aus. Sowohl die verantwortliche Werbeagentur als auch die Media-Agentur Optimum Media Direction (OMD), die das gigantische Werbebudget verwaltet, sind von der DeMoss-Stiftung zum Stillschweigen gegenüber Pressevertretern angehalten worden, so ein Sprecher der OMD.

          Ziele der Organisation sind zweifelhaft

          Die Stiftung, die hinter dem Buch steht, hat ihren Sitz in Florida und geht finanziell bestens gerüstet in den vorgeblichen Kampf für mehr Lebensfreude: Mit einem Vermögen von rund 500 Millionen Euro steht sie auf Platz 48 der vermögendsten Stiftungen in den USA. Neben dem Vertrieb von Gratis-Büchern betreibt die DeMoss Foundation Medienberichten zufolge ebenfalls nachhaltig die Diskreditierung von Homosexuellen und Abtreibungsbefürwortern. Amerikanische Medien berichten, dass die christlichen Fundamentalisten solche Kampagnen mit Millionenbeträgen finanzierten. Die Stiftung pflege Kontakte zu vielen religiösen und politischen Gruppen, auch zur so genannten "Christian Reconstructionist Group on Revival", die die Todesstrafe für Sodomie, Hexerei und Blasphemie fordere. Nach Angaben des TV-Magazins "Report" stehe die Organisation im engen Kontakt zu Jerry Falwell, einem amerikanischen Rechten, der auch mit der sehr umstrittenen Mun-Bewegung kooperiert.

          Experte sieht bislang keine Gefahr

          Lutz Lemhöfer, Sektenexperte des Bistums Limburg, sagte gegenüber FAZ.NET solche Verbindungen zwischen fundamentalistischen, christlichen Vereinigungen seien in Amerika häufig. Sie seien jedoch meist flüchtig und dienten dem Kampf gegen liberalere christliche Auffassungen. Der Sektenbeauftragte hält die Kampagne der Stiftung in Deutschland für ungefährlich, da hier nach seiner Einschätzung fundamentalistische Strukturen fehlen, wie sie die "Christian Coalition" in Amerika bereits etabliert hat. Außerdem versuche die Organisation bislang nicht, Anhänger zu binden oder zu organisieren.

          Promis halten der DeMoss-Stiftung die Treue

          Die prominenten Werber für das Buch "Kraft zum Leben" zeigen sich von den jüngsten Erkenntnissen unbeeindruckt. Fußball-Star Paulo Sergio bekennt sich noch immer zu der Botschaft des Buches, der FC Bayern München wollte das Engagement seines Spielers nicht kommentieren. Auch Bernhard Langer betont, dass er mit der DeMoss Stiftung nur Positives erlebt habe. Schon vor drei Jahren habe er in Amerika an einer ähnlichen Werbekampagne teilgenommen.

          Verfassungsschutz, Innenministerium und das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend können keine Auskunft über die Gruppe oder deren Engagement in Deutschland geben. Die meisten der von FAZ.NET befragten Staatsdiener hatten trotz der gigantischen Werbekampagne noch nie von dem Buch oder der DeMoss-Stiftung gehört.

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