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Rekorde in New York : Der teuerste Blechschaden aller Zeiten

  • -Aktualisiert am

Weltrekord: Mark Rothko's „White Center (Yellow, Pink, and Lavender on Rose)” Bild: REUTERS

Die New Yorker Frühjahrsauktionen für Gegenwartskunst jagten von Rekord zu Rekord: Rothkos „White Center“ erzielte bei Sotheby's mit 72,9 Millionen Dollar den Höchstpreis für ein zeitgenössisches Gemälde. Christie's zog nach und versteigerte Warhols „Green Car Crash“ für 71, 7 Millionen Dollar.

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          „Als Künstler muss man ein Dieb sein und sich einen Platz an der Wand eines reichen Mannes stehlen“, soll Rothko einmal gesagt haben. Wie sehr der reiche Mann davon selbst profitieren kann, das hat Sotheby's bei seiner Abendauktion zeitgenössischer Kunst am Dienstag bewiesen. Fünf verschiedene Telefonbieter trieben das sensationelle Spitzenlos des Abends, Rothkos „White Center (Yellow, Pink, and Lavender on Rose)“ aus dem Jahr 1950, in Millionenschritten weit über die Schätzung von 40 Millionen Dollar hinaus. Für einen unbekannten Käufer am Telefon ließ Tobias Meyer den Hammer erst bei 65 Millionen aufs Pult knallen, das sind mit Aufgeld rund 72,9 Millionen Dollar und bei weitem der höchste Preis, den ein Werk zeitgenössischer Kunst jemals auf einer Auktion erzielt hat.

          Die meditative Leinwand befand sich seit 1960 in der Sammlung des mittlerweile einundneunzigjährigen Philanthropen und Bankiers David Rockefeller, der das Geschehen sichtlich erfreut von einer Skybox aus mitverfolgte. Schon vor der Auktion hatte er angekündigt, den Gewinn für wohltätige Zwecke spenden zu wollen. Zweifellos trug sein klangvoller Name zur erfolgreichen Vermarktung des Gemäldes bei. Um die Auktion für zeitgenössische Kunst beim Konkurrenten Christie's schon im Vorfeld zu übertrumpfen, soll Sotheby's Rockefeller eine Garantie von 46 Millionen Dollar zugesagt haben. Die riskante Rechnung ist aufgegangen.

          In Millionenschritten zum Rekord: Francis Bacon

          Mindestens 30 Millionen Dollar - und damit einen neuen Rekord - sollte auch Francis Bacons fast zwei Meter hohes Gemälde „Study from Innocent X“ von 1962 bringen, das von Mona Ackerman eingeliefert wurde. Von Velázquez' berühmtem Porträt inspiriert, hat Bacon den Barockpapst 1962 wie einen gehäuteten Pavian mit gebleckten Zähnen in kirchlicher Robe dargestellt. Auch für ihn wurde in Millionenschritten geboten. Die Schweizer Kunsthändlerin Doris Ammann und der Londoner Galerist Ivor Braka unterlagen schließlich bei 47 Millionen Dollar einem Käufer am Telefon. Es wird gemunkelt, dass es sich um den griechischen Sammler Philippe Niarchos handelt.

          In Millionenschritten zum Rekord: Andy Warhols „Green Car Crash” für 71,72 Millionen Dollar
          In Millionenschritten zum Rekord: Andy Warhols „Green Car Crash” für 71,72 Millionen Dollar : Bild: Christie's

          Andere Lose hatten weniger Glück: Alle drei „Drip Paintings“ von Jackson Pollock, das teuerste von ihnen auf achtzehn bis 25 Millionen Dollar taxiert, waren mit Garantie versehen, aber keines fand einen Abnehmer. Im Besitz des Auktionshauses bleibt auch Gerhard Richters schwarzweißes Bild „Spanische Akte (Osterakte)“ von 1967, das mit einer ambitionierten Taxe von neun bis zwölf Millionen Dollar „einfach überschätzt“ war, so der Richter-Experte und Kunsthändler Paul Schönewald. Kein Interessent war bereit, mehr als 7,75 Millionen Dollar zu bieten, und so blieb das Bild unverkauft.

          Wesselmanns „Smoker“

          Doch es hagelte auch neue Rekorde: Jean-Michel Basquiats unbetitelte Leinwand im Graffiti-Stil aus dem Israel Museum in Jerusalem wurde einem Sammler für dreizehn Millionen Dollar zugeschlagen (6/8 Millionen). Tom Wesselmanns über drei Meter breiter verführerischer Frauenmund „Smoker # 17“ von 1975 ging gegen Gebote der Kunsthändlerin Daniella Luxembourg für 5,2 Millionen Dollar, rund das Doppelte der Taxe, an den asiatischen Handel. Die New Yorker Kunsthändlerin Barbara Guggenheim sicherte einem ihrer Kunden Robert Rauschenbergs Assemblage „Photograph“ von 1959 knapp unterhalb der Schätzung für 9,5 Millionen Dollar - auch das ein neuer Rekord.

          Populär waren wieder die deutschen Künstler: Franz Ackermanns Abstraktion „Evasion VI“ von 1996 brachte die obere Taxe von 350.000 Dollar. Daniel Richters grelle Darstellung eines mysteriösen Rituals von 2002 erzielte mit 700.000 Dollar einen neuen Rekord (350.000/450.000). Am Schluss des Abends hatte Sotheby's 65 von 74 Losen verkauft und damit einen Umsatz von fast 255 Millionen Dollar gemacht, so viel, wie noch kein Auktionshaus zuvor in dieser Kategorie umgesetzt hatte. Doch dieser Rekord hielt nur 24 Stunden.

          Geld spielt keine Rolle

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