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Rekord im Wohnungsbau : Höher wohnen

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Manhattans neue Knickerbocker: Mit Knautschzonen zieht Frank Gehrys Wohnturm alle Blicke auf sich – und potente Mieter an Bild: LLP

Frank Gehry hat in Manhattan den höchsten Wohnturm der westlichen Welt gebaut. Das noble Domizil misst 265 Meter, aber die Aussicht hat ihren Preis - die Wohnungen sind klein, die Mieten hoch.

          Wer auf sich hält, kommt momentan im Knitterlook. Ob dick oder dünn, lang oder kurz, der stilbewusste Bau vermeidet die glatt gebügelte Hülle und den dazugehörenden rechten Winkel. Das ist zwar keine New Yorker Besonderheit mehr oder gar Erfindung, aber hier hat sich der Trend, wenn auch mit einiger Verspätung, an allen besseren Ecken und anspruchsvolleren Enden durchgesetzt. Was fehlte, war der große, unübersehbar zerknitterte Akzent, das neu zerknautschte Wahrzeichen. Jetzt ist es da, und Donald Trump, der großmäulige Entwickler zahlloser Immobiliensünden, mag es überhaupt nicht. Uninteressant, befand er. Womit bestätigt wäre, dass der allererste Turm, den der zweiundachtzig Jahre alte Frank Gehry bauen durfte, die Skyline von Downtown Manhattan aufregend in Bewegung bringt.

          Trump allerdings ist gezwungen, sich buchstäblich auch an eine Erniedrigung zu gewöhnen. Fortan ist er mit seinem aufgedonnerten Trump World Tower sogar höhenmäßig bloß auf Platz zwei zu finden. Nicht nur in New York, sondern in der gesamten westlichen Hemisphäre halten nun Gehry und Bruce Ratner, der Bauentwickler, mit 265 Metern den Höhenrekord im Wohnungsbau. Auf 76 Stockwerken haben sie mehr als 900 Wohnungen untergebracht und dazu im seltsam widersprüchlichen Backsteinsockel eine Schule, die es ihnen erlaubt hat, der byzantinischen New Yorker Bauverordnung manch finanzielle und räumliche Vorteile abzugewinnen.

          Einzimmerwohnung ab 2690 Dollar

          8 Spruce Street oder „New York by Gehry“, wie der Bau vermarktungstechnisch lieber genannt sein will, ist damit in der Stadt das erste Großprojekt eines Stararchitekten, der anstelle eines überschaubaren Kundenkreises aus Verehrern Tausende von Mietern zu überzeugen hat.

          Pastellfarben und Douglastanne: Frank Gehry hat auch die Innenausstattung geplant

          Mussten etwa Richard Meier, Jean Nouvel und Herzog & de Meuron ihre urbanen Visionen noch auf relativ kompakte, exquisit durchgestylte Wohnenklaven im New Yorker Hochhauswust beschränken, kann Gehry sich im Monumentalformat ausleben, zumindest äußerlich. Innen ist es eng, aber nicht gerade billig. Die Wohnungen sind klein, die Mieten hoch. Ein Studio, also eine recht unfeudale Einzimmerwohnung, ist auf den unteren Stockwerken erst ab 2690 Dollar zu haben, die Preise steigen im Etagenrhythmus. Vermietet wird eben auch der Blick. Um zu sehen, wie tief drunten der Hudson glitzert und sich die Brooklyn Bridge über den East River schwingt, kostet eine Wohnung mit einem einzigen Schlafzimmer sehr viel mehr als den Grundpreis von 3500 Dollar. Für die Südspitze von Manhattan, an der sich immer mehr Büros in Apartments verwandeln, der Kern aber weiterhin kommerziell geprägt bleibt, ist das eine ganze Menge. Alle Wohnungen, auch die mit zwei und drei Schlafzimmern, wären zudem bestens geeignet, an europäische Altbauzimmerfluchten gewöhnte Mieter gründlich zu schocken; Gehry bewahrte sie immerhin vor klaustrophobischen Attacken.

          Eine geradezu luftige Atmosphäre

          Das ist sicher keine große Kunst, wenn schon aus dem siebenunddreißigsten Stock durch deckenhohe Glasflächen, die erst kurz vor dem Fußboden haltmachen und so die allzu genügsame Quadratmeterzahl der Wohnung fast vergessen lassen, der Blick ungehindert über die Stadt schweifen kann. Obendrein aber hat Gehry mit offenen, vielfach variierten Grundrissen dafür gesorgt, dass trotz der Enge der Zimmer, Küchen und Bäder die Atmosphäre geradezu luftig zu nennen ist. Bis hin zum massiven, kurios geschwungenen Griff der Wohnungstür stammt von ihm auch die Innenausstattung mit ihren warmen Pastellfarben und ihrer Vorliebe fürs Holz der Douglastanne.

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