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: Wir wollen endlich nach Hause!

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Manchmal sind Bonbons einfach nur Bonbons. Weil aber George Harrison einmal unvorsichtigerweise erklärte, die Beatles fänden Gefallen am Geschmack der bunten Jelly Beans, wurde die Band seither bei Auftritten nicht nur mit den Süßwaren beworfen, sondern gab auch Anlaß zu allerlei Spekulationen: Das Wochenblatt ...

          Manchmal sind Bonbons einfach nur Bonbons. Weil aber George Harrison einmal unvorsichtigerweise erklärte, die Beatles fänden Gefallen am Geschmack der bunten Jelly Beans, wurde die Band seither bei Auftritten nicht nur mit den Süßwaren beworfen, sondern gab auch Anlaß zu allerlei Spekulationen: Das Wochenblatt "News of the World" sah im "frenetischen Geschrei" weiblicher Fans eine "Vorübung auf die Mutterschaft", eine "unbewußte", versteht sich, und "sogar die Jelly Beans sind ein Symbol".

          Was sich die Interpreten der frühen Beatlemania dabei gedacht haben, ist zwar einigermaßen rätselhaft. Aber der Versuch, ein in dieser Dimension neues Phänomen der kollektiven Begeisterung irgendwie zu erklären, fand in den folgenden vierzig Jahren noch erheblich abstrusere Nachfolger. Und wenn der Fotoband von Getty images, der jetzt unter dem Titel "Die Beatles. Tag für Tag" sinnigerweise 365 wieder einmal größtenteils unveröffentlichte Aufnahmen aus den Jahren 1961 bis 1987 mit kurzen Begleittexten präsentiert, an einem Punkt notwendig scheitert, dann an der verbalen oder optischen Verdeutlichung, was denn nun den anhaltenden Zauber dieser Band ausmache.

          Die Fotos jedenfalls sind uns gehörig ferngerückt, die der siebziger und achtziger Jahre vielleicht sogar am weitesten: Da blicken Ringo Starr und seine Frau Barbara Bach (er mit übergroßer Sonnenbrille, sie mit dazu passender Fönfrisur) am 1. Juni 1987 auf einer Benefiz-Auktion maskenhaft in die Kameras, während der ungeschönte Schnappschuß eines offenbar eiligen John Lennon einige Wochen vor seinem Tod die Ikone der Sechziger ebensowenig erkennen läßt wie den entspannten Musiker des "Double Fantasy"-Covers.

          Was allerdings die späten Aufnahmen mit denen gemein haben, die den Aufstieg und Ruhm der Beatles festhalten, ist die fast unheimliche Wachsamkeit der Porträtierten gegenüber der Kamera: Eigentlich gelassen wirken sie so gut wie nie, und wenn sie wie auf einem Foto vom 10. Februar 1963, auf einem Tisch sitzend, einfach herumblödeln sollen, merkt man ihnen an, daß sie das Überspielen solch peinlicher Situationen noch nicht gelernt haben. Besonders der später den Medien gegenüber außerordentlich versierte Paul McCartney wirkt da so eigentümlich verkniffen, daß sich sein Barockengelgesicht wie zu einer Grimasse des jungen Joschka Fischer verzieht.

          Diese Wachsamkeit zeigt sich in besonderem Maße auf den zahlreichen Fotos des Bandes, die die Beatles unterwegs zeigen - auf Tournee, bei Filmaufnahmen, und da besonders ausführlich bei den Dreharbeiten zu der angestrengt anarchischen "Magical Mystery Tour". Im September 1967 - der Manager Brian Epstein war tot, die erste Gruppensitzung mit dem Maharishi hatte gerade in Wales stattgefunden - forcierte Paul McCartney sein Filmprojekt einer fünftägigen Busreise der Beatles durch Cornwall und Kent mit psychedelischen Künstlern und sonderbaren Gestalten im Gepäck. Daß die einzelnen Beatles sehr unterschiedlich über das Unterfangen dachten, teilt sich auf den Fotos mit, etwa in den Aufnahmen eines versteinerten John Lennon, der auf ein Ende des Spuks zu warten scheint.

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