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: Weißes Kreuz

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Zweifellos wäre einer wie der Schweizer Christoph Graf Toggenburg in früheren Zeiten Weltumsegler, Polarforscher oder Entdecker geworden. Er gehört zu jenen Menschen, die es in geregelten beruflichen Verhältnissen nicht aushalten, die es hinauszieht in die Welt und die dabei auch bereit sind, ihre Gesundheit, auch ihr Leben aufs Spiel zu setzen.

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          Zweifellos wäre einer wie der Schweizer Christoph Graf Toggenburg in früheren Zeiten Weltumsegler, Polarforscher oder Entdecker geworden. Er gehört zu jenen Menschen, die es in geregelten beruflichen Verhältnissen nicht aushalten, die es hinauszieht in die Welt und die dabei auch bereit sind, ihre Gesundheit, auch ihr Leben aufs Spiel zu setzen. Der 1976 geborene Graf, der in London Kunst studierte und als Maler und Fotograf arbeitet, ist überdies das, was man zur Abwechslung einmal ohne Ironie als "Gutmensch" bezeichnen möchte. Während seines Studiums engagierte er sich für Obdachlose in London, 1998 rannte er in viereinhalb Tagen zweihundertsiebzig Kilometer, nannte die Tour "Run for Help" und sammelte damit Geld für rumänische Straßenkinder. Seine Radtour von Kambodscha in die Schweiz im Jahr 2002 ist sein bisher größtes Projekt, und wie Toggenburg in seinem Buchs stolz resümiert, hat die humanitäre Botschaft von "Bike for Help" fünfundvierzig Millionen Menschen rund um die Welt erreicht, von den zahlreichen Spenden aus vierzehn Ländern nicht zu reden. Mit diesem Geld werden Krankenhäuser, Schulen, Werkstätten in Asien unterstützt, die sich um die Behandlung von Leprakranken bemühen. Was Toggenburg von seinen Erlebnissen während der 9300 Kilometer langen Fahrradreise durch Asien berichtet, ist nicht brillant geschrieben, doch durchweg angenehm lesbar. Natürlich ist sein Blick auf die Verhältnisse in Südostasien, in Indien, in Pakistan und im Iran geprägt vom Vergleich mit den Lebensverhältnissen in Europa. Immer wieder erlebt er gerade bei den Ärmsten eine unglaubliche Gastfreundschaft, immer wieder wird ihm bei seinen mühseligen und gefahrvollen Gewalttouren von Menschen geholfen, die kaum je einen Europäer getroffen haben. Doch auch die Unterdrückung (im Iran) und die Stammeskriege (in Pakistan) bleiben ihm nicht verborgen. Seine Reise wird so tatsächlich zu einem "humanitären Abenteuer", weil sie wie nebenbei beschreibt, wie die Menschen mit Leid, Armut, Krankheit umgehen und wie ein junger Schweizer sich mit dem Zustand der Welt nicht abfinden mag. Das liest man nicht ohne innere Teilnahme. Sein Motto macht Mut: "Alles ist möglich - jeder hat ungeheure Kräfte, die er nutzen kann, für sich und andere." Man darf gespannt auf das nächste Unternehmen des nimmermüden Grafen Toggenburg sein.

          mab

          "Bike for Help. Meine Expedition für Leprakranke" von Christoph von Toggenburg. Herbig Verlag, München 2003. 208 Seiten, einige Abbildungen. Broschiert, 24,90 Euro. ISBN 3-7766-2352-7.

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