https://www.faz.net/-gqz-wikv

: Wehmut keine, Mitleid schon

  • Aktualisiert am

Die Eisenbahn hat kein schönes Schicksal. Sie war die Pionierin und Prophetin des Massentransports und ist heute ihr profanes Schmuddelkind. Das Flugzeug hat immer noch Sex-Appeal, das Auto verspricht trotz aller Staus Freiheit, auf den Zugverkehr aber schimpfen alle. Die moderne Eisenbahn ist ein notwendiges ...

          Die Eisenbahn hat kein schönes Schicksal. Sie war die Pionierin und Prophetin des Massentransports und ist heute ihr profanes Schmuddelkind. Das Flugzeug hat immer noch Sex-Appeal, das Auto verspricht trotz aller Staus Freiheit, auf den Zugverkehr aber schimpfen alle. Die moderne Eisenbahn ist ein notwendiges Übel ohne Lustgewinn, und ihre große Vergangenheit wird nicht verklärt, sondern in überteuerten Museumsluxuszügen mit Plüschsesseln und Agatha-Christie-Kitsch karikiert. Wie wenig Anlass zur Wehmut tatsächlich besteht, zeigen die Bilder des Schweizer Fotografen Rob Gnant. Man will gar nicht glauben, dass sie vor gerade einmal einer Generation aufgenommen wurden, so atavistisch, so frühindustriell wirken sie. Gnant hat die letzten Dampfzüge in den Alpen fotografiert, hundemüde italienische Gastarbeiter auf dem Weg nach Hause, eine Familie, die einen Bahnurlaub im Tessin gewonnen hat und noch niemals verreist war. Es sind wunderbar stille, unsentimentale Aufnahmen von erschöpften Menschen mit Gesichtern voller Ruß, von ächzenden Lokomotiven kurz vor der Verschrottung, von einem harten Leben zwischen Eisen und Öl. Man wird nicht nostalgisch, wenn man diese Bilder aus einer so unendlich fernen Zeit sieht, man ist froh, dass sie einem erspart geblieben ist - und hat doch ein bisschen Mitleid mit der armen alten Eisenbahn.

          str.

          "Bahnalltag - Reportagen aus vergangener Zeit" von Rob Gnant, mit Texten von Iso Camartin und Thomas Köppel. AS Verlag, Zürich 2007. 160 Seiten, zahlreiche Schwarzweißfotografien. Gebunden, 54,80 Euro.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Bundesbankpräsident Weidmann : „Ich sehe keinen Grund zur Panik“

          Die Aussichten für die Konjunktur trüben sich ein. Bundesbankpräsident Weidmann hält einen Großeinsatz der Geldpolitik aber für falsch. Im Interview spricht er über den drohenden Abschwung, übertriebene Angst vor Inflation – und warum die Zinsen noch tiefer sinken können.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.