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: Wanderungen am Abgrund

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Um 1818 malte der in Greifswald geborene Caspar David Friedrich die "Kreidefelsen auf Rügen". Darauf ist der Maler selbst in Rückenansicht zu sehen. Außerdem seine junge Ehefrau Caroline Brommer und ein Freund. Man sieht die Uferböschung, die bizarren Kreidefelsen und das Meer mit zwei Segelbooten.

          Um 1818 malte der in Greifswald geborene Caspar David Friedrich die "Kreidefelsen auf Rügen". Darauf ist der Maler selbst in Rückenansicht zu sehen. Außerdem seine junge Ehefrau Caroline Brommer und ein Freund. Man sieht die Uferböschung, die bizarren Kreidefelsen und das Meer mit zwei Segelbooten. Wer die Kreidefelsen auf Rügen einmal besucht hat, stellt sich mehr noch als die Frage nach dem Sinn des Bildes, die, welche Stelle Friedrich gemalt haben könnte. Mal war von den Wissower Klinken die Rede, dann wieder von der Victoria-Sicht oder vom 118 Meter hohen Königsstuhl, der höchsten Erhebung entlang der Kreideküste im Nordosten Rügens. Genau lässt es sich nicht mehr ermitteln, weil die Küste sich stark verändert. In den Frühjahrs- und Herbststürmen nimmt sich die Ostsee regelmäßig einen Teil des Landes. Jüngstes Beispiel war im Februar 2005 der Verlust der Wissower Klinken. So hat sich auch der Wanderweg entlang der Küste immer wieder verändert. Direkt am Abgrund zu wandern, wie es einst der Maler Friedrich tat, ist gefährlich. Aber auch vom gesicherten Weg aus sind die Ausblicke grandios. Zu den gesicherten Ausblicken gehört vor allem der Königstuhl, von dem aus man weit über das Meer schauen kann und Respekt bekommt vor der Tiefe, die sich links und rechts auftut. Die Kreideküste beginnt bei Saßnitz im Osten und führt bis Lohmen im Westen. Das Gebiet ist heute der Nationalpark Jasmund. Direkt neben dem Königstuhl steht das Nationalparkzentrum, das unbedingt einen Besuch wert ist, für den man aber auch Zeit mitbringen sollte. Wer dann abends im Hotel seine Wanderung noch einmal vor dem geistigen Auge erleben will, der greife zu Rolf Reinickes Buch über die Kreideküste. Reinicke hat die größte deutsche Insel auf seinen Streifzügen seit drei Jahrzehnten in allen Jahreszeiten wunderbar fotografiert und mehrere schöne Bücher darüber veröffentlicht. Es sind vor allem die oft spektakulären Fotos, derentwegen man das Buch so schnell nicht mehr aus der Hand legt. In kurzen Texten beschreibt Reinicke, wie die Küste entstanden ist und wie sie sich verändert. Wie es kommt, dass die Wanderer vor allem hier versteinerte Fossilien finden, Donnerkeile und Feuersteine - aber auch, wie die Kreide bis vor einem halben Jahrhundert als Schulkreide genutzt wurde und was für Biotope inzwischen aus den alten Kreidebrüchen geworden sind.

          F.P.

          "Insel Rügen - Die Kreideküste" von Rolf Reinicke. Verlag Delius Klasing, Bielefeld 2007. 160 Seiten, viele Farbfotos, Zeichnungen von Inge Reinicke. Gebunden, 19,90 Euro.

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