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: Üppigen Gärten entkommen

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Virginia Woolf genoß es, im Sommer im Schatten der Bäume zu sitzen und mit ihren Freunden zu plaudern. Sie schrieb schöne Sätze über Rittersporn und Spargelbeete und ging gern mit dem Hund in den Hügeln von Sussex spazieren. Sie liebte Gärtnerinnen und Gärtner - Vita Sackville West und Leonard Woolf; ...

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          Virginia Woolf genoß es, im Sommer im Schatten der Bäume zu sitzen und mit ihren Freunden zu plaudern. Sie schrieb schöne Sätze über Rittersporn und Spargelbeete und ging gern mit dem Hund in den Hügeln von Sussex spazieren. Sie liebte Gärtnerinnen und Gärtner - Vita Sackville West und Leonard Woolf; zupfte gelegentlich sogar selbst am Löwenzahn und schenkte ihrem Mann Terrakottatöpfe. Aber während sie nach dem Tee noch saß und rauchte, rannte er schon wieder zu seinen Himbeeren. Eine Gärtnerin war Virginia Woolf nicht, gibt Luise Berg-Ehlers bereits im Vorwort ihres Buchs zu und macht sich trotzdem auf die Spurensuche von Cornwall über London bis Sussex, beschreibt jeden Vorgarten, jeden Friedhof und jede Grünanlage, an die ein Woolfscher Wohnsitz einmal grenzte, dazu die Gärten der Freunde - Long Barn, Sissinghurst, Garsington, Charleston -, die alle bezaubernd waren, aber niemals die ihren. Virginia Woolf erwarb nur einen: den Garten um Monk's House in Rodmell. Dort schrieb sie im Sommer in einer Hütte. Daß die Natur ihre Wahrnehmung schärfte und ihre Phantasie beflügelte, ist ein schöner Aspekt, aber noch kein neuer aufregender Zugang zu Biographie und Werk, denn das taten auch Wein und warmes Wasser, Butler, Silber, Hunde, Teegebäck, Holzfeuer im Kamin, Perserteppiche und Bücher. So fallen die Hinweise auf die inspirierende Kraft der Hortikultur oft weit weg vom Stamm. Das Buch, einmal hingeschraubt auf den nicht zutreffenden Titel, zwingt jedes Blümchen, jede Metapher und selbst drei weiße Plastikstapelstühle auf dem Rasen vor Talland House bei St. Ives ("die an koloniale Zeiten erinnern") in seinen Dienst. Und weil Virginia Woolf vorwiegend eine Großstadtpflanze war und das Londoner Getümmel dem Kirchenglockengebimmel von Rodmell meist vorzog, weicht Berg-Ehlers in ermüdender Redundanz auf Leben und Gartenwerk jener aus, unter deren Bäumen Virginia Woolf gerne saß, rauchte und redete.

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          "Die Gärten der Virginia Woolf" von Luise Berg-Ehlers. Nicolaische Verlagsbuchhandlung, Berlin 2004. 224 Seiten, 37 Abbildungen. Gebunden, 19,90 Euro. ISBN 3-87584-378-9.

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