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: Über die Wupper

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Der ehemalige Titanic-Redakteur Achim Szymanski versammelt und vergleicht in seinem kuriosen Religionskaleidoskop und alternativen Touristenführer "Jenseitsreisen". Die Tour d'Horizon der Weltreligionen erörtert in Sachen Erleuchtungsgrad oder Erholungsfaktor die Gefilde und Geistesangebote von fünfzig ...

          Der ehemalige Titanic-Redakteur Achim Szymanski versammelt und vergleicht in seinem kuriosen Religionskaleidoskop und alternativen Touristenführer "Jenseitsreisen". Die Tour d'Horizon der Weltreligionen erörtert in Sachen Erleuchtungsgrad oder Erholungsfaktor die Gefilde und Geistesangebote von fünfzig Religionen, Kulten und Glaubensvorstellungen von den Ägyptern, der Anthroposophie Steiners über die Filmreligion der Jedi-Ritter, Judentum, Scientology, schwarze Magie und Parapsychologie bis zu den Zeugen Jehovas und dem Zen. Die Kapitel sind unterteilt in die Abschnitte Anreise, Ankunft, Land und Leute und "Promi-Wahrscheinlichkeit", womit vorausgegangene oder erwartete berühmte Gläubige wie George Harrison im Hinduismus oder Paris Hilton im indischen Materialismus gemeint sind. Was in einer seriösen oder zumindest populärwissenschaftlichen komparativen ethnographischen Studie der Jenseitsentwürfe durchaus einen Erkenntnisgewinn und Rückschlüsse auf kulturelle Eigenarten und Denkweisen hienieden beschieden hätte, gerät in Szymanskis wildem Ritt durch Höllenfeuer, Paradiesgärten und Anderswelten zur Farce. Aufgrund der allzu starren Struktur kommt es trotz der nicht unoriginellen Buchidee zu vielen Witzwiederholungen, wenn er etwa immer wieder das umständliche Einreiseverfahren der Seele oder die bürokratische Schwelle des Totengerichts thematisiert. Das Ganze kommt reichlich albern, bemüht pietätlos ("Jeder hat sein Päckchen zu tragen" heißt es etwa über das Karma), vorhersehbar kalauernd oder mit Anglizismen beladen daher, wenn etwa bei den altägyptischen Grabbeilagen, die das Leben im Jenseits erleichtern sollen, von Reiseequipment die Rede ist. Eine gelungene Ausnahme stellt das Kapitel über den Existentialismus dar ("Wenn ein Mensch stirbt, ist es völlig aus . . . Allerdings ist das Nichts, das dann kommt, bei den Existentialisten schwärzer als anderswo und so real, dass es beinahe Substanz hat"), in dem der Autor sein kabarettistisches Talent endlich auf hintergründigere Weise entfaltet. Mäßig witzige "Tipps und Tricks" wie "Bei Aufenthalt in der Hölle Brandsalbe und natürlich eine Taschenlampe mitnehmen" ergänzen den nicht nur in puncto praktischer Anwendbarkeit eher entbehrlichen Ratgeber.

          sg

          "Jenseitsreisen. Wir bringen Sie über den Jordan" von Achim Szymanski. Mit detailliertem Routenplaner für über 50 Religionen. Knaur Taschenbuch, München 2008. 240 Seiten. Broschiert, 12,95 Euro.

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