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: Trister Norden: Island für Hartgesottene

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Es zählte lange Zeit zu den ungeschriebenen Gesetzen des hohen Nordens, dass man dessen Natur ansiedelt im Schnittpunkt von mystisch, heroisch und sublim. In den Fotobänden wurde deshalb ein Bild entworfen, dass den Gedanken nahelegte, hinter jedem Heidebusch könne ein Feenwesen auftauchen und hinter jeder ...

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          Es zählte lange Zeit zu den ungeschriebenen Gesetzen des hohen Nordens, dass man dessen Natur ansiedelt im Schnittpunkt von mystisch, heroisch und sublim. In den Fotobänden wurde deshalb ein Bild entworfen, dass den Gedanken nahelegte, hinter jedem Heidebusch könne ein Feenwesen auftauchen und hinter jeder Kurve die Festung von Brunhilde, errichtet in der steilen Flanke eines Vulkans.

          Der Fotograf Olaf Otto Becker (Jahrgang 1959) wählte für sein wunderbares Island-Buch "Unter dem Licht des Nordens" einen anderen, weniger dramatischen Zugang. Er scheut sich nicht, auf das harte Leben hinzuweisen und auf die Trostlosigkeit, die sich hinter endlosen Schotterfeldern verbirgt. Dabei ist er keineswegs ein sozial engagierter Reportagefotograf; im Gegenteil. Mit der fast altertümlichen Technik einer Großbildkamera nähert er sich seinen Motiven behutsam, bedächtig - und stets mit einer genauen Bildvorstellung im Kopf. So entstanden im Laufe von vier Jahren und achtzehntausend in Island zurückgelegten Kilometern angeblich gerade einmal hundert Aufnahmen.

          Was Becker sucht, ist eine unaufgeregte Stille. Da sind dann die Wasserfälle Haifoss und Oexarfoss unter einer tief liegenden Nebeldecke versteckt, oder eine stumpfbraune Piste führt entlang eines aufgerissenen Bergs geradewegs ins Nichts; der Rasen aber, den Arbeiter auf einer Art Gras-Plantage in großen Platten vom Boden heben, nein: den sie ernten, leuchtet in solch frischem Grün, als habe der Fotograf mit einer versteckten Blitzanlage das Werk des Menschen ins Rampenlicht gerückt.

          Tatsächlich ringt Olaf Otto Becker immer wieder gerade den Spuren der Zivilisation eigenwillige Momente von Schönheit ab. Sie werden bei ihm eben nicht zu Fremdkörpern in einer Art heiligen Wildnis, sondern sind Zeugen eines prosaischen Umgangs mit einer unwirtlichen Region - eine gewaltige Staumauer etwa oder ein in den Fels geschnittener Kanal. "Die Natur schafft die Grundlagen für das, was der Mensch wiederum mit ihr anstellt", erklärt der Fotograf in einem den Bildern vorangestellten Gespräch. Dieses Verhältnis wird ihm zur Grundlage für eine vielleicht nie zuvor gewählte Herangehensweise: Sein Buch ist eine Liebeserklärung an die Symbiose von Wildnis und Technik. - Unsere Abbildung zeigt den Hafen von Eskifjördur.

          F.L.

          "Unter dem Licht des Nordens" von Olaf Otto Becker. Verlag Schaden.com, Köln. 82 Seiten, zahlreiche Farbabbildungen. Gebunden, 75 Euro. ISBN 3-932187-49-0.

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