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: Stimmen aus Thailand

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          1 Min.

          Ein schmaler Thailand-Band versammelt sechzehn kurze Geschichten, Reiseimpressionen, Parabeln, Reportagen und Märchen. Während die vorgestellten Gedichte deutscher Thailandliebhaber gelegentlich ins Esoterische oder Schwärmerische entgleiten, fallen die einheimischen Beschreibungen des Status quo, die die Landflucht und Modernisierung anprangern und in der Anmut der Armut eher eine Not als eine Tugend sehen, nüchterner und zurückhaltender, aber nicht minder aufschlußreich aus: "Wir kämpfen nicht gerne um Stellungen, und ein großes ,ich' ist uns nicht so wichtig", schreibt etwa Juthamas Siriwan. Die Mehrzahl der indigenen Geschichten aus dem nordöstlichen Isan kreisen autobiographisch um das Leben der armen Landbevölkerung, ihre Eigenheiten und Entbehrungen. In ihnen kontrastieren Abwanderungsgedanken mit Erdverbundenheit: "Die ganze Ebene flimmert und flüstert Botschaften aus unvordenklichen Zeiten", heißt es bei Pira Sudham. Die kurzen Texte sind durchdrungen vom traditionellen Geisterglauben, vom Warten auf den Regen, vom Rhythmus der Riten und Feste. So erzählt Suphasiri Chanintwong vom magischen Pakam-Ritual zur Besänftigung der Jagdgeister beim Elefantenfest in der Provinz Surin. Moderneren Ursprungs ist das Raketenfest Bang Fai, das der Herausgeber Neufert in "Apollo Isan" liebevoll porträtiert. Viele Beiträge zeugen vom ambivalenten Verhältnis der Bewohner zur fortschreitenden Verwestlichung, die sich in nachlassender Familienbande, statt dem nachbarschaftlichen Tauschgeschäft in Monetisierung, in Motor-Rikschas, Kunstdünger und Zuchthühnern ausdrückt. Die literarische Qualität reicht von ausgefeilten Texten bekannter Autoren - etwa "Kindheit" von Kampun Bunthawie - bis hin zum Naiv-Bäuerlichen. Aber auch die unbedarften Schimpftiraden auf die Jugend von heute haben in ihrer Unverstelltheit als Stimme der alten, im Stich gelassenen Landbevölkerung in dem Sammelband durchaus ihre Berechtigung. Kritisch anzumerken ist der etwas nachlässige Anhang - manche Schriftsteller sucht man vergeblich in den Autorenbiographien. Die Texte werden von den kraftvollen Fotografien John Marmons illustriert. Ein separater "Companion" mit dem Titel "Hotels, Touren, Festivals" ergänzt die literarische Theorie. Dabei helfen Tips wie "Do's und Dont's" dem Thai-Touristen über kulturelle Hürden.

          sg.

          "Isan, my love. Ein literarischer Reiseführer mit ausgewählten Touren" herausgegeben von Detlev F. Neufert. Paleo Books, Berlin 2003. 128 Seiten, zwölf Abbildungen. Broschiert, 15 Euro. ISBN 3-937119-00-0.

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