https://www.faz.net/-gqz-uahc

: Schöne Aussicht in die Hölle

  • Aktualisiert am

Angelika Jung-Hüttl sammelt Vulkanausbrüche. Vorbei am platten Katastrophenjournalismus betreibt die Autorin, begleitet von ihrem Lebensgefährten und Landschaftsfotografen Bernhard Edmaier, ein professionelles "Vulkan Hopping" zwischen den Kontinenten und Kulturen - sozusagen immer auf heißer Spur der aktuellsten Ausbrüche und geologischen Transformationen.

          Angelika Jung-Hüttl sammelt Vulkanausbrüche. Vorbei am platten Katastrophenjournalismus betreibt die Autorin, begleitet von ihrem Lebensgefährten und Landschaftsfotografen Bernhard Edmaier, ein professionelles "Vulkan Hopping" zwischen den Kontinenten und Kulturen - sozusagen immer auf heißer Spur der aktuellsten Ausbrüche und geologischen Transformationen. Dabei besuchen die beiden nicht nur die längst touristisch erschlossenen Berge, sondern reisen auch zu randständigen oder im ehemaligem Bürgerkriegsgebiet liegenden Vulkanen; etwa in Kamtschatka oder Ostafrika. So präzis die Erklärungen der Eruptionsphänomene sind, selbst bei der Wissenschaftlerin Angelika Jung-Hüttl öffnet sich hinter der rationalen Anschauung schnell immer immer wieder der religiöse, göttliche oder dämonische Aspekt der Feuerberge. So erfährt der Leser von isländischen Mythen um Hexen und Kraftfelder, vom Wirken der Feuergöttin Pele auf Hawaii oder von Legenden, die sich etwa um den heiligen Berg der Massai, den "Oldoinyo Lengai" in Tansania, ranken. Darüber hinaus schildert Jung-Hüttl die Verarbeitung von Vulkanlandschaften als dramatisches Dekor in Film und Literatur. Da wären "Stromboli" von Roberto Rossellini oder Jules Vernes Roman "Reise zum Mittelpunkt der Erde", in dem der isländische Vulkan Snaefellsjökull eine Schlüsselrolle spielt. Für den kleineren Geldbeutel und zugegebenermaßen bescheidenere voyeuristische Ansprüche präsentiert die Autorin unter der Kapitelüberschrift "Auch in Deutschland spuckten einst Vulkane" das Vulkanwesen in der Eifel. Mit hohem Maß an Unterhaltungswert und Vermittlungskunst informiert die Geologin über Gase, Gesteine, Erdbewegungen, Glutlawinen, Ascheregen und Säureseen. Ihr lesefreundlicher Ansatz entgleitet zuweilen allerdings in eine etwas bemüht wissenschaftspädagogische Poesie, wenn allzu oft Ausdrücke wie "Tiefe der Erde", "Bauch des Berges" oder "Feuerschlünde" fallen. Auch vermisst der Leser über die fundierte Erklärung geologischer Zusammenhänge hinaus - mit Ausnahme des nahegehenden Ätna-Kapitels - Einblicke in das konkrete Leben der Menschen am Kraterrand und den Umgang mit dem ganz alltäglichen Wahnsinn des Bedrohungspotentials.

          sg

          "Feuer gefangen. Meine Reisen zu den Vulkanen der Erde" von Angelika Jung-Hüttl. Frederking & Thaler Verlag, München 2006. 232 Seiten, 34 Farbfotos, eine Karte. Gebunden, 22 Euro. ISBN 3-89405-620-7.

          Weitere Themen

          Warum sind wir so passiv?

          Amazonas-Brände : Warum sind wir so passiv?

          Der Regenwald brennt. Das Foto des erblindeten Ameisenbären in Abwehrstellung ging um die Welt und ist zum Sinnbild geworden. Ein verzweifelter Aufruf von Brasiliens bekanntestem Naturfotografen.

          Topmeldungen

          Am Rande des G-7-Gipfels : Wie es Macron gelang, Trump gnädig zu stimmen

          Der französische Präsident präsentiert sich in Biarritz als Überraschungskünstler: Er hat den erwartet sperrigsten Gipfelteilnehmer vorläufig gezähmt – und scheut dabei nicht vor einem Trick zurück.

          Amazonas-Brände : Warum sind wir so passiv?

          Der Regenwald brennt. Das Foto des erblindeten Ameisenbären in Abwehrstellung ging um die Welt und ist zum Sinnbild geworden. Ein verzweifelter Aufruf von Brasiliens bekanntestem Naturfotografen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.