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Rezension: Sachbuch : Ferne

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"Das Reich der Pharaonen" von Brian Fagan (Text) und Kenneth Garrett (Fotos). National Geographic Deutschland; G+ J/RBA GmbH, Hamburg 2001. 287 Seiten, zahlreiche Farbfotos, eine separate Faltkarte. Gebunden, 49,95 Euro. ISBN 3-934-385-35-4Jahrzehntelang bedeutete Tourismus in Ägypten ausschließlich Kulturerlebnis.

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          "Das Reich der Pharaonen" von Brian Fagan (Text) und Kenneth Garrett (Fotos). National Geographic Deutschland; G+ J/RBA GmbH, Hamburg 2001. 287 Seiten, zahlreiche Farbfotos, eine separate Faltkarte. Gebunden, 49,95 Euro. ISBN 3-934-385-35-4

          Jahrzehntelang bedeutete Tourismus in Ägypten ausschließlich Kulturerlebnis. Das hat sich in den vergangenen zwanzig Jahren geändert - mit der Erschließung der Strände am Roten Meer und auf dem Sinai. Seitdem ist in der ägyptischen Fremdenverkehrsindustrie eine scharfe Zweiteilung vollzogen. Die beiden Hälften haben nicht das geringste miteinander zu tun - und erst recht nichts mit der wirklichen Welt. Dort ist Ägypten immer noch ein Entwicklungsland, in dem sich die Probleme des Kontinents wie im Brennspiegel bündeln: explosionsartiges Bevölkerungswachstum, unzureichende Grundversorgung (nur vier Prozent der Landesfläche sind fruchtbar), ein Streben der Regierung nach Industrialisierung, das im grotesken Widerspruch zu den Gegebenheiten im Lande steht. Auch die ganz andere Wirklichkeit des Badetourismus hat längst ihre eigene Absurdität geschaffen: Die künstliche Welt der Hotelanlagen scheint eher dazu angetan, die Gäste fernzuhalten vom Land, seiner reichen Geschichte und seinen Menschen. Und von den Urlaubern in Badeschlappen halten sich wiederum die Kenner und Liebhaber der ägyptischen Kultur fern. Ihre Wiederentdeckung durch die Wissenschaftler im Expeditionsheer Napoleons, Ende des achtzehnten Jahrhunderts, wurde zum eigentlichen Auslöser einer zuzeiten fast mystischen Ägyptenbegeisterung. Im Kulturreiseland Ägypten haben bis heute die alten Geschichten von den Pharaonen, die "über alles herrschten, was die Sonnenscheibe umfaßt", nichts von ihrer Faszination eingebüßt. Wie dieses Buch aus der Produktion der amerikanischen National Geographic Society beweist, lassen sich auch älteste Geschichten immer wieder neu erzählen, findet man nur einen eigenen Ansatz. Hier ist es die bewundernswerte Sorgfalt und Disziplin der Beschreibung - der Autor ist Archäologe und Professor für Anthropologie an der Universität von Santa Barbara, Kalifornien -, geadelt von einem wunderbaren Ästhetikverständnis. Die Bilder weiden sich geradezu an der Vielgestaltigkeit der Kunst, die am Nil über fünftausend Jahre Teil des Alltags der Menschen war; den besten von ihnen gelingt sogar der Brückenschlag in unsere Gegenwart, den "zeitlosen Rhythmus dörflichen Lebens", wie es an einer Stelle heißt. "Das Reich der Pharaonen" ist ein Buch, das man gerne aufgeschlagen liegen läßt - nicht etwa, um Besucher zu beeindrucken, vielmehr, um sich selbst an den kostbar komponierten Doppelseiten zu erfreuen und gleichzeitig daran zu erinnern, gelegentlich weiterzublättern. (A.O.)

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