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Rezension: Sachbuch : Ferne

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"Im leeren Viertel. Auf dem Kamel durch die arabische Wüste" von Bruce Kirkby. Malik im Piper Verlag, München 2001. 283 Seiten, zahlreiche Abbildungen. Gebunden, 20,35 Euro. ISBN 3-89020-209-7.Drei weiße Männer sind zusammen mit Beduinen durch die arabische Wüste geritten. Einer hat ein Buch darüber geschrieben.

          "Im leeren Viertel. Auf dem Kamel durch die arabische Wüste" von Bruce Kirkby. Malik im Piper Verlag, München 2001. 283 Seiten, zahlreiche Abbildungen. Gebunden, 20,35 Euro. ISBN 3-89020-209-7.

          Drei weiße Männer sind zusammen mit Beduinen durch die arabische Wüste geritten. Einer hat ein Buch darüber geschrieben. Es ist nicht das erste Buch über genau diese Reiseroute durch das "leere Viertel", wie die größte Sandwüste der Welt im Süden Arabiens genannt wird; 1946 war der Brite Wilfred Thesiger ebenfalls mit Beduinen und auf Kamelen dort unterwegs. Es ist ebendessen Route, die der Kanadier Bruce Kirkby wiederholen wollte, wenngleich sich die Lebensbedingungen der Beduinen seit damals durch die Ölförderung dramatisch verändert haben - verbessert. Das führt Kirkby zu einigen Schwierigkeiten. Weder ausreichend starke Kamele lassen sich ohne weiteres auftreiben noch Beduinen, die bereit wären, nach Väter Sitte zu reisen. Zwar liest sich Kirkbys Buch spannend und ist in den sachlichen Erläuterungen zu Land, Wüste und Leuten lehrreich, aber der Abenteurer kommt, wie nahezu alle Abenteurer heute, unter Beweisnot. So versteigt er sich immer wieder dazu, daß nur seine - und Thesigers - Art, diese riesige Wüste zu durchqueren, gelten dürfe. Wer mit allradgetriebenen Geländewagen hindurchfahre, errichte eine Mauer zwischen sich und dem Land. Doch die Grenzen sind fließend. Die Weißen haben ein Satellitentelefon dabei, führen aber einen ständigen Kampf gegen ihnen folgende Lastwagen und Getränkedosen, die ihnen von gastfreundlichen Einheimischen nachgetragen werden. Der Weg sei das Ziel, behauptet natürlich auch Kirkby, doch allzu deutlich dringt durch, daß er den Triumph für sich verbuchen möchte, diese Reise gemacht zu haben. Zweihundert Seiten lang muß sich der Leser mit komplizierten Unwägbarkeiten, Vorbereitungen und Anfangsetappen zufriedengeben, bevor die kleine Karawane endlich in das "Leere Viertel" hineinreitet. Diese lange Anlaufzeit hat einen Grund, den Kirkby vielleicht gar nicht kennt: Er kann nicht über die Wüste schreiben. Ihm mangelt es an jeder Poesie. Nach der Durchquerung protokolliert er lapidar, das Privileg gehabt zu haben, "durch diese Region reisen zu dürfen, die nur wenige gesehen haben, das Herz des Leeren Viertels, in dem die Dünen der großen Wüste in einer erstaunlichen Anzahl von Ketten ihre eindrucksvollste Höhe erreichen". So trocken, wie diese Schilderung ausfällt, mag man sich nicht einmal die schlimmsten Wüsten vorstellen. Und so bleibt nach der Lektüre des Buches nicht viel mehr hängen als dies: Drei weiße Männer sind zusammen mit Beduinen durch die arabische Wüste geritten. (bär)

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