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Rezension: Sachbuch : Ferne

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          "Die Transsibirische Eisenbahn. 9302 Kilometer von Moskau nach Wladiwostok" von Rudolf Braunburg. Reich Verlag, Luzern 1997. 200 Seiten, 163 Farbfotos, 38 historische Abbildungen, eine Karte. Gebunden, 58 Mark.

          "Trans Sibirien" von Enzo Pifferi. Weltbild Verlag, Augsburg 1996. 240 Seiten, durchgehend bebildert. Gebunden, 29,80 Mark.

          Ich kam aus der kalten Nacht, aus dem eisigen Labyrinth der Gleise, aus dem Land der verlorenen Menschen", schrieb 1918 Joseph Kessel über seine Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn, "und fand mich plötzlich in ein mit Schatten beladenes Piratenschiff versetzt . . . Salonwagen, private Speiseabteile, Luxuskabinen, die einst den Baronen und den hohen Beamten des Heiligen Rußland gedient hatten." Am 12. Mai 1891 tat Zar Nikolaus II. den ersten Spatenstich für die legendäre Verbindung von Rußland nach Fernost. Zwei Bildbände folgen den dröhnenden Dieselloks auf ihren Wegen und Abwegen durch fünf Zeitzonen, durch Tundra und Taiga, Seenlandschaften, Monsun, Schnee und Eis. Das erste ist das Werk eines Piloten. Braunburg hätte besser bei seinen Leisten und in den Lüften bleiben sollen. Von "Moskau, Kilometer Null" bis "Wladiwostok, km 9302" läßt er keine Station und kein Fettnäpfchen ("Stroganow, den wir als Fleischgericht kennen") aus. Sympathisch ist, wenn er eingesteht, einen Halt verschlafen oder das Chingan-Naturreservat nur bei Nacht durchfahren zu haben. Ein Lichtblick am Ende des Buches ist die tabellarische "Geschichte der Transsibirischen Eisenbahn". Auch die Fotografen hätten sich weiter ins Landesinnere bequemen dürfen: Die Gesichter beim Einsteigen sind in allen Kulturen gleich. Angedenk dieser schmalspurigen Angelegenheit ist man einem deutschen Verlag dankbar, wenn er einen Klassiker wie den italienischen Fotografen Enzo Pifferi neu verlegt. Es wäre dabei gar nicht nötig gewesen, das Werk aus den guten alten Sowjetzeiten mit Aufsätzen zu aktualisieren. Die grandiosen Farbfotos, die überraschenden, lebensnahen Perspektiven sprechen für sich. Die Pulverschneeschwaden werden faßbar, die Industrieabgase stechen, dampfender Kohl dringt in die Nase, die Eisblumen an den Fenstern erzählen Geschichten. Und an einer Wäscheleine hängen Kleider bei minus fünfzig Grad. Mit einfachen Mitteln hat Pifferi den rauhen Alltag der Menschen, den sanften Schein des Nordlichtes eingefangen. (sg)

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