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Rezension: Sachbuch : Ferne

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          1 Min.

          "Indien - oder Die Verwüstung der Welt" von Danièle Sallenave. Erschienen in der Reihe: "Hanser Travel Books". Hanser Verlag, München 1996. 144 Seiten. Gebunden, 25 Mark. ISBN 3-446-18542-9.

          In der Reihe "Hanser Travel Books" sind bisher knapp zwanzig Titelmeist prominenter Schriftsteller erschienen, unter ihnen Joseph Brodsky, Elias Canetti, Bruce Chatwin, Rolf Schneider und Antonio Tabucchi - zuletzt von Juan Goytisolo das Buch "Gaudí in Kappadokien - Türkische Begegnungen".

          Danièle Sallenave beginnt ihr Buch aufgeregt, hastig, unentschlossen. Knappe Beobachtungen folgen aufeineinander. Kaum je braucht sie mehr als zwei, drei Sätze für ein Bild oder einen Gedanken - wie im Vorbeigehen notiert, nein: noch flüchtiger, wie im Vorbeifahren. "Ich spüre", bemerkt sie selbst, "daß sich mir das, was ich sagen könnte, was ich sagen möchte, noch entzieht." Und so erzählt sie mehr von sich und ihrem Problem im Umgang mit der Fremde als von der Reise von Delhi über Benares nach Kalkutta. Der Text gerät zu einer Dokumentation der Distanz, des Draußenbleibens. Selten war ein Reisebuch ehrlicher. Selten aber auch war ein Reisebuch fesselnder und radikaler, denn ganz allmählich formen sich Danièle Sallenaves Überlegungen zu Nähe und Abstand, zu Innen und Außen gemeinsam mit ihren beklemmenden Beschreibungen jener hier besonders zugespitzten Gegensätze von Armut und Reichtum, von Technisierung und archaischem Leben, von friedlichen Momenten und Augenblicken der Unruhe, Gewalt und Verwüstung zu einem düsteren Szenario der Welt von morgen: der zerstörten Städte, bewohnt und beherrscht von den Ärmsten der Armen, zerfallen zu Ruinen. Kaum ein Wort über die Schönheit Indiens, über das vermeintliche Idyll seiner ländlichen Gebiete oder den Zauber seiner Mogul-Paläste. Statt dessen das blanke Entsetzen angesichts des Elends. "Höchste Not", schreibt sie ein ums andere Mal, an die Grenze der eigenen Kultur geschleudert, unfähig, das Fremde zu begreifen, und verwirrt von einem ambivalenten Gefühl, in dem Angst und Anziehungskraft sich mischen. (F.L.)

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