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Rezension: Sachbuch : Ferne

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          1 Min.

          "Weit weg vom Rest der Welt" von Andreas Altmann. Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg 1996. 123 Seiten. Broschiert, 10,90 Mark. ISBN 3 499 13779 8.

          Touristen sind immer die anderen. Man selbst ist Reisender, hat mit den anderen, der Masse, nichts zu tun. Schon fühlt man sich besser in der Fremde. Das ist besonders wichtig in Ländern, wo allein das bloße Unterwegssein schnell zur Strapaze wird. Das ist so in Afrika. "Der Reisende beeindruckt niemanden. Er hat nichts. Nur seine Neugier und den schmutzigen Rucksack. Die will keiner. Denn beide sind unverkäuflich." Das schreibt Andreas Altmann, ein Reisender - natürlich. Da ist er gerade unterwegs im Zug durch Mauretanien, noch ziemlich am Anfang seiner Neunzig-Tage-Tour von Tanger nach Johannesburg. "Weit weg vom Rest der Welt": So heißt das Buch, das danach entstand. Natürlich war diese Reise, über deren Beweggründe man nichts erfährt, sehr anstrengend, doch auch darüber schreibt Altmann kaum ein Wort: Ein Mann muß tun, was ein Mann tun muß. Das Buch ist eine gewaltige Selbstinszenierung. Ein kleiner weißer Mann im großen schwarzen Afrika und wie der Mann unterwegs immer größer wird und Afrika ihm gar nichts anhaben kann, bis ihm Sätze herausrutschen wie: "Sagenhaft, was Frauen zu einer Landschaft beitragen können." Und einige Zeilen weiter: "Die Schöne war bedrückend. So aussehen und da leben müssen." Altmann, der Reisende, wird unversehens zum Richter. Er weiß, was gut ist und was schlecht, schön und häßlich. Er bläht Afrika auf zum großen schwarzen Mythos und läßt den Kontinent gleich darauf zusammenschnurren wie einen Luftballon, dem die Luft entweicht. Das ist, wenn er von den Menschen spricht, die dort leben. Die meisten sind korrupt, verschlagen oder brutal - oder alles zusammen. Altmanns Sprache ist gleichermaßen extrem: ein fiebriges Dauertremolo hochgekochter und dann schockgefrorener Emotionalität, immer wieder Sätze wie Beilschläge. Die letzte Szene spielt auf einem Friedhof. Wo auch sonst. Fast alle Geschichten über Afrika, die von Weißen erzählt werden, enden auf irgendeinem Friedhof. Das ist auch ein Dilemma dieses Kontinents. (A.O.)

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