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Rezension: Sachbuch : Europa

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"Wegen der Gegend. Literarische Reisen durch Oberösterreich", herausgegeben von Barbara Higgs und Wolfgang Straub, Fotos von Jo Pesendorfer. Eichborn Verlag, Frankfurt 2001. 128 Seiten, 40 Fotografien. Gebunden. 13,50 Euro. ISBN 3-8218-0535-8.Oberösterreich, das lehrt uns diese literarische Anthologie, ist - und war - kein alpenländisches Idyll.

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          "Wegen der Gegend. Literarische Reisen durch Oberösterreich", herausgegeben von Barbara Higgs und Wolfgang Straub, Fotos von Jo Pesendorfer. Eichborn Verlag, Frankfurt 2001. 128 Seiten, 40 Fotografien. Gebunden. 13,50 Euro. ISBN 3-8218-0535-8.

          Oberösterreich, das lehrt uns diese literarische Anthologie, ist - und war - kein alpenländisches Idyll. In den Dörfern drückte die Engstirnigkeit, die Metropole Linz ist als Industriegebiet ökologisch stark belastet, die Landschaft der Klam-Schlucht im Mühlviertel erschien August Strindberg als "Höllenschlund", und das Konzentrationslager Mauthausen ist berüchtigt wegen der "Mühlviertler Hasenjagd": "Nachdem Anfang Februar 1945 fünfhundert Häftlinge aus dem Lager ausgebrochen waren, mobilisierte man die Bevölkerung für die Hatz auf die ,Ausbrecher'. Bis heute weiß man nur von siebzehn Überlebenden." Die Herausgeber haben Texte jenseits der Reiseführerromantik ausgesucht, literarische Texte, die Geschichte und Landschaft der Gegend be- und verarbeiten, regional aufgeteilt entsprechend der vier Viertel Oberösterreichs: Mühlviertel, Innviertel, Hausruckviertel und Traunviertel, ergänzt um Linz, das als Hauptstadt ein eigenes Kapitel erhält. Es hätte ein beeindruckender Streifzug durch ein (meist) beeindruckendes literarisches Schaffen werden können - wären die Auszüge nicht gar so kurz. Im Durchschnitt anderthalb Seiten zuzüglich einer Drittel Seite Einführung sind nicht genug, um in irgendeiner Weise Bezug zum Inhalt oder gar den Autoren zu entwickeln. Zu schnell ziehen die Texte vorüber, als daß sie einen Eindruck hinterlassen könnten, nur Bekanntes - wie Passagen aus Christoph Ransmayr oder Marlen Haushofer - weckt Erinnerungen. Sinnvoll aber ist das Faschieren von Literatur nicht: das Drehen durch den Fleischwolf.

          (maha)

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