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Rezension: Sachbuch : Europa

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          1 Min.

          "Die Glasmalereien von San Francesco in Assisi" von Frank Martin, P. Gerhard Ruf. Verlag Schnell und Steiner, Regensburg 1997. 391 Seiten, zahlreiche Abbildungen. Gebunden, 295 Mark.

          Es war in Umbrien, kurz nach dem Erdbeben vom September des vergangenen Jahres, das besonders hart "San Francesco" in Assisi, die Hauptkirche des beliebtesten Heiligen der Christenheit, getroffen und Kunstwerke von Weltrang zerstört oder schwer beschädigt hatte. Gerhard Ruf, deutscher Priester des Franziskaner-Ordens und seit 1959 geistlicher Pilger-Betreuer in der Patriarchal-Basilika, zeigte die Schäden an dem Bauwerk und den Wandmalereien in der Kirche und im "heiligen Konvent" der Franziskaner. Erst dann begann er zu erzählen, daß ihn noch etwas anderes bekümmere: die Bedrohung der Glasmalereien sowohl in der Ober- wie in der Unterkirche. Hier würden schon geringe Verschiebungen von wenigen Millimetern in den haltenden Fensterrahmen zu unersetzbaren Schäden führen; und es sei unendlich schwierig und kostspielig, schützende Vorsorge zu treffen. Das leuchtete sofort ein. Hatte das Erdbeben schon die Mauern und ihre Fresken angegriffen, um wieviel gefährdeter waren und sind die kostbaren Glasscheiben. Seit fast vierzig Jahren beschäftigt sich Pater Ruf, Generationen von deutschen Assisi-Pilgern vertraut, mit diesen gläsernen Kunstwerken, die weniger bekannt sind als die Fresken und architektonischen Meisterleistungen von San Francesco. Rufs Stellung im Kloster erlaubte ihm, die bunten Scheiben mit den Legenden-Erzählungen der Heiligen zu fotografieren. Diese Aufnahmen legt nun ein Bildband vor, dem der Kunsthistoriker Frank Martin Sachverständiges über "Entstehung und Entwicklung einer Gattung in Italien", eben der Glasmalereien südlich der Alpen, an die Seite stellt. So kann man erst das ganze Kunstwerk der Verglasung ermessen; und die Texte werden aufs schönste illustriert - eine harmonische und geglückte beiderseitige Ergänzung. Nicht ohne Beklemmung freilich nimmt man dieses Buch zur Hand. Die Furcht wächst, daß hier dargestellt und erläutert wird, was beim nächsten großen Erdstoß in Umbrien vielleicht unwiderruflich dahin ist. Möge das Buch deshalb auch Ansporn sein, die Glasmalereien zu schützen und dafür die notwendigen Gelder bereitzustellen. (hjf.)

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