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Rezension: Sachbuch : Europa

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          "Reisewege zu historischen Stätten in Niederschlesien" von Heinrich Trierenberg, herausgegeben von Mariola Malerek. Mit einem Geleitwort des Breslauer Generalkonsuls Bruno Weber. Laumann Verlagsgesellschaft KG, Dülmen, 1996. 287 Seiten mit zahlreichen Abbildungen in Farbe und schwarzweiß sowie Karten mit Routenvorschlägen. 28,50 Mark. ISBN 3-87466-251-9.

          Zwei Merkmale machen diesen Reiseführer empfehlenswert. Zum einen der Autor. Heinrich Trierenberg hat seine historische und landeskundliche Beschlagenheit in mehreren früheren Publikationen schon nachgewiesen. Hier gibt er, der geborene Schlesier, dem Touristen kundig, wohlüberlegt und aktuell informiert Ratschläge für zwölf Reiserouten und erschließt damit die niederschlesische Kulturgeschichte im Raum zwischen Görlitz und Neisse mit ihren wichtigen Denkwürdigkeiten von der Epoche der polnisch-schlesischen Piasten über die Zeit der böhmischen Könige bis zur Habsburger, preußischen und Reichszugehörigkeit. Das ist alles solide. Bedeutender noch ist das zweite Merkmal: die Herausgeberin des Bandes, die junge polnische Schlesierin Mariola Malerek, geboren in Breslau, als es bereits nach dem Krieg Wroclaw hieß, heute in München verheiratet. Zudem stammen die Fotos von Stefan Arczynski, Sohn polnischer Eltern, die nach Essen ausgewandert waren. So reflektiert der Reiseführer, wie heute das deutsch-polnische Verhältnis praktiziert wird. Nichts ist zu spüren von revanchistischen Rückkehransprüchen, aber es wird beharrt auf dem geistigen Besitz eines reichen, jahrhundertealten Kulturerbes. Und keine geschichtsklitternden Thesen finden sich in dem Band, die von den "wiedergewonnen Westgebieten Polens" träumen. Dafür das Bemühen, sich über das Geschehene hinweg näher zu kommen. Autor Trierenberg gibt jeweils Auskunft darüber, welche hinterlassenen Kulturzeugnisse, Kirchen, Schlösser, Klassikerstatuen, Gedenktafeln durch die heutigen polnischen Bewohner und die Denkmalpfleger mit den Spenden deutscher und deutsch-polnischer Institute restauriert wurden. Und der heutige Direktor des Historischen Museums im Rathaus zu Breslau, Maciej Baziewski, ermuntert im Schlußaufsatz des Buches die nach dem Krieg nach Niederschlesien gekommenen Bewohner zu einem neuen historischen Bewußtsein, das polnische Tradition mit den Kulturgütern der ehemaligen - deutschen - Bewohner zusammenführt. Wie es geschehen ist, als im November 1994 die Universität von Wrocklaw, die sich als Nachfolgerin der Breslauer Hochschule fühlt, eine Gedenktafel für die acht mit dem schlesischen Wissenschaftsleben verbundenen Nobelpreisträger enthüllt hat. (Wa.)

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