https://www.faz.net/-gqz-39kd

Rezension: Sachbuch : Deutschland

  • Aktualisiert am

"Leipziger Allerlei. Literarische Leckerbissen", herausgegeben von Detlef Bluhm und Rainer Nitsche, Transit Buchverlag, Berlin 2001, 127 Seiten. Gebunden, 12,50 Euro. ISBN 3-88747-163-6Nach "Berlin - ist das Allerletzte" und "Bonn - Viel größer, als ich dachte" haben sich die Herausgeber Bluhm und Nitsche, der eine Autor, der andere Verleger in Berlin, nun Leipzig zugewandt.

          1 Min.

          "Leipziger Allerlei. Literarische Leckerbissen", herausgegeben von Detlef Bluhm und Rainer Nitsche, Transit Buchverlag, Berlin 2001, 127 Seiten. Gebunden, 12,50 Euro. ISBN 3-88747-163-6

          Nach "Berlin - ist das Allerletzte" und "Bonn - Viel größer, als ich dachte" haben sich die Herausgeber Bluhm und Nitsche, der eine Autor, der andere Verleger in Berlin, nun Leipzig zugewandt. In der Hoffnung, ein weiteres gern gelesenes und verschenktes Bändchen zu produzieren, als die der Transit Verlag die beiden vorangegangenen erinnert, setzten sie auf das "Leipziger Allerlei", angerichtet aus "literarischen Leckerbissen". Das Rezept, abgedruckt auf der ersten Seite, ist altbewährt, wie man ehrlicherweise am Schluß des Büchleins erfährt. Wieviel "Anregungen" die Zitatenzubereiter den dort erwähnten Kompendien entnahmen, die bereits über Leipzig erschienen, wissen nur sie selbst. "Leipzig in alten und neuen Reisebeschreibungen" (1990) dürfte jedenfalls etliches enthalten haben, was nun noch einmal verköchelt wurde. Angefangen von Hans Christian Andersen über Goethe natürlich, Luther, Ringelnatz, das Ehepaar Schumann und Richard Wagner, fehlt keiner, der irgendwann einmal in Leipzig war und dort zur Feder griff. Selbst Heinrich von Kleist kann aufgerufen werden mit der erstaunlichen Bemerkung: "Endlich entschloß ich mich nach Leipzig zu gehen. Ich weiß wahrhaftig kaum anzugeben, warum? - Kurz, ich bin hier." Soviel von Kleist. Da Leipzig "alter Herkunft" ist, wie schon Martin Zeiler 1642 wußte, versteht es sich, daß auch die meisten literarischen Kostproben älterer Herkunft sind, wodurch sich die Kosten für die Nachdruckrechte in Grenzen hielten. Zu den jüngeren Rechteinhabern gehören Irina Liebmann, die Leipzig "um 1961" beschreibt, und Wolfgang Hilbig, der leider nicht mit dem stärksten Stadtbild aus seinem Roman "Das Provisorium" (2000) zitiert wird. "So viele Erinnerungen" steuert Hans Mayer bei, "die DDR-Nationalspeise Nummer 1, die Bockwurst", Erich Loest. Den Eindruck der Beliebigkeit dieser Auswahl macht Walter Ulbricht komplett. Über den Sohn der Stadt liest man im Kapitel zur "Kultur" nichts von der Kulturbarbarei, die er 1968 mit der Sprengung der gotischen Universitätskirche anordnete, sondern nur Gutes, zitiert aus einer Festrede zu seinem fünfundsiebzigsten Geburtstag, und von ihm selbst. Was empfahl noch Therese Nieses Kochbuch von 1742 fürs Leipziger Allerlei? "Alles recht schön auf eine flache Schüssel" anrichten. (sst)

          Weitere Themen

          Virtuelle Wiedervereinigung

          Beutekunst aus Russland : Virtuelle Wiedervereinigung

          Russland und Deutschland kommen bei der Digitalisierung von Beutekunst voran. Wenn die Bearbeitung der schwierigen Vergangenheit neue Wege virtueller Kooperation eröffnet, können alle Seiten nur gewinnen. Ein Gastbeitrag.

          Guter, alter weißer Mann

          „Klaus“ bei Netflix : Guter, alter weißer Mann

          Da taut einem das Herz weg: Der Netflix-Film „Klaus“ erzählt die Herkunftsgeschichte des Weihnachtsmannes nach ganz eigenen Regeln und ist dabei sehr komisch.

          Topmeldungen

          Notstand ausgerufen : In Venedig wächst die Wut

          Mehr als 80 Prozent der Stadt stehen zwischenzeitlich unter Wasser, die Bewohner sind entsetzt – und sauer auf die Politik: Diese gibt zwar jetzt Millionen Soforthilfe, habe beim Hochwasserschutz aber komplett versagt und stattdessen rücksichtslos den Tourismus gefördert.

          Altmunition im Meer : Sprengstoff im Fisch

          1,6 Millionen Tonnen Munitions- und Sprengstoffreste werden in der deutschen Nord- und Ostsee vermutet. Sie lösen sich langsam auf – und belasten schon jetzt stellenweise Tiere und Pflanzen.
          Der Stoff, aus dem sich viel mehr als eine leckere Suppe kochen lässt: Hokkaido-Kürbis

          Leckeres aus Kürbis kochen : Hitze tut ihm richtig gut

          Die Kürbissaison ist auf ihrem Höhepunkt angelangt. Aber was anstellen mit den Riesenbeeren? Köche sagen: in den Ofen schieben. Wir stellen ein Rezept von Johann Lafer vor und eines, das auf Paul Bocuse zurückgeht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.