https://www.faz.net/-gqz-6qh8r

Rezension: Sachbuch : Deutschland

  • Aktualisiert am

          1 Min.

          "München - Reise-Lesebuch" herausgegeben von Hubert Ettl und Bernhard Setzwein. Lichtung Verlag, Viechtach 1999. 180 Seiten, 92 Schwarzweißfotografien. Gebunden, 39,80 Mark. ISBN 3-929517-28-0.

          Nein, hier leuchtet München nicht, es glimmert verrückt und verrucht im bengalischen Licht. "Nee, nee, diese Bayern sind keine Deutschen, eben Saubayern", befindet Herbert Achternbusch über die Autochthonen. Carl Amery verweist auf die "besonders penetrante Mischung von Humbug und Gemeinheit", welche die Stadt in der NS-Zeit abgab. Gerhard Polt poltert über ihre ungemütliche Gemütlichkeit. Bruno Jonas mokiert sich über ihr auftrumpfendes Anspruchsdenken. Paul Wühr führt apart verschränkt die gängigen München-Metaphern ad absurdum. Gelassener äußern sich die Flaneure, der Kanalspaziergänger Manfred Bieler, Hermann Lenz, der durch den Englischen Garten mäandert. Grete Weil, Tochter eines jüdischen Königlich-Bayerischen Justizrats, beschwört Kindheitserinnerungen. Es sind die Zuwanderer, die aus der Provinz Anreisenden, die klassischen Nordlichter, die Exilierten und Fremden, die hier Schlaglichter auf die bayerische Landeshauptstadt werfen. Wolfgang Sréter führt einen slowenischen Schwarzarbeiter vor, den die Silhouette Münchens so ergreift wie einst den deutschen Auswanderer der Anblick Manhattans. Liebeserklärungen, Schmähungen, Entschuldigungen - alles findet sich in diesen aufgerauhten Texten, die, wie unterschiedlich sie sind, stets von der Attraktivität Münchens künden. "Die Stadt saugt schon gehörig", stellt die aus Nordostoberbayern anreisende Renate Just fest. Weit mehr als pure Illustrationen sind die jedes Klischee meidenden Fotos. Regina Schmeken fängt geheimnisvolle Nachtstimmungen ein, Volker Derlath sucht die witzige, freche Impression, Heinz Gebhardt nimmt die Folklore aufs Korn. Rudi Dix steuert Aufnahmen der Nachkriegsjahre und frühen Gastarbeiterzeit bei. Maxim Biller frönt dem Reiz des Gewöhnlichen. In der Schwemme der München-Literatur ein ungewöhnlich origineller Band. (ack.)

          Weitere Themen

          Kopie? Tübke!

          Kunstschacher in der DDR : Kopie? Tübke!

          Eine MDR-Dokumentation zeigt, wie die DDR zur Devisenbeschaffung offenbar auch Kunst professionell fälschen lassen wollte. Sie wendete sich zu diesem Zweck unter anderem an einen berühmten Maler.

          Ein Zoo im Weltraum

          Ballett aus Berlin : Ein Zoo im Weltraum

          Rhythmisiertes Leben: Das Berliner Staatsballett tanzt neue Stücke von Sharon Eyal und lässt den Zuschauer schaudern: so schrecklich ist unser Leben und so unglaublich schön.

          Topmeldungen

          Das russische Raketenabwehrsystem S-400 wird in der Stadt Sebastopol aufgestellt.

          Rüstungstechnologie : Die Türkei träumt den Waffentraum

          Ankara will in der Rüstungstechnologie unabhängig werden – und schafft aus diesem Grund ein russisches Raketenabwehrsystem an. Koppelt sich der bisherige Verbündete von der Nato ab?

          100-Prozent-Quote : Die Dramaturgen der Klimawende

          Fakten, Fakten, Fakten: Mehr Klimawissen gab es nie, mehr Einigkeit auch nicht. Und doch zeigt Madrid: Die Lösung der Klimakrise bleibt für die meisten höhere Mathematik – mit einer Unbekannten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.