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Rezension: Sachbuch : Deutschland

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          1 Min.

          "Hessen" von Berndt Schulz und Heidrun Merk. Erschienen in der Reihe: "Edition Erde". Bildung und Wissen Verlag, Nürnberg 1996. 436 Seiten, 94 Farbfotos, zwölf Karten und Stadtpläne. Broschiert, 39,80 Mark. ISBN 3-8214-6552-2.

          Soviel vorweg: Die Autoren kennen sich aus in Hessen, dem "gemütvollen Herzen der Republik". In achtzehn ausführlichen Rundreisen werden sowohl die landschaftliche Vielfalt als auch der kulturelle Reichtum vorgestellt. In Kassel beginnt die Reise, sie führt an Weser und Werra, streift das kurhessische Bergland, Waldhessen und Marburg-Biedenkopf, empfiehlt eine Rundreise durch das Lahn-Dill-Gebiet und die Wetterau und schreckt auch vor den Mittelgebirgen Vogelsberg, Rhön, Spessart, Westerwald und Taunus nicht zurück. Fulda, Wiesbaden, Frankfurt und Darmstadt werden durch besondere Spaziergänge erschlossen, und zuletzt wird der Leser durch den Odenwald über die Bergstraße bis hin ins Neckartal geleitet. Leider aber begnügen sich die Autoren nicht mit der sachlichen Information über Sehenswertes in Hessen. Sie wollen vielmehr Hintergrundwissen zu Land und Leuten, zu Wirtschaft und Kultur vermitteln. Das gelingt ihnen nicht einmal, wenn sie vom Speiseplan "gemeiner Leute" und "höherer Stände" berichten. Die sozialistische Brille verzerrt die Dinge und verhindert den ungetrübten Blick auf vergangene und gegenwärtige Phänomene. Da wird beispielsweise an der Jagd in Hessens Wäldern der angebliche Gang der Geschichte vom paradiesischen Zustand über den Klassenkampf hin zur Entfaltung von Humanität veranschaulicht. Da wird Büchner mit dem Hessischen Landboten zum ersten Flugschriftdichter hochstilisiert, als hätte es die vielen Pamphlete für und gegen Luther nie gegeben. Gewiß, Georg Büchner ist ein großer Dichter. Ihn aber im Vergleich mit Ulrich von Hutten, Grimmelshausen, Goethe und Brentano immer wieder als den "bedeutendsten hessischen Dichter" hinzustellen ist schon eine Zumutung. Daß Frankfurts City, mit Glas und Beton versiegelt, "abstrakt gesprochen, natürlich dem Geld" gehört, mag noch hingehen, wenn aber die Abwanderung der Hanauer Brennelementeproduktion nach Bayern und die Verweigerung der Modernisierung bei den Höchster Farbwerken als ein Sieg vernünftiger Politik hingestellt wird, dann hat das mit einem objektiven Reiseführer nichts mehr zu tun. Und noch eines: Es ist unerfindlich, warum die Autoren bei der "weiterführenden Literatur" den DuMont Kunst-Reiseführer Hessen von F. Häring und H. J. Klein nicht nennen. Sie haben das Buch bestimmt mehr als einmal zur Hand genommen. (A.W.)

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