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Rezension: Sachbuch : Deutschland

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          1 Min.

          "Der Niederrhein" von Reinhard Felden (Fotos) und Jens Voß (Text). Erschienen in der Reihe: "Eine Bildreise". Verlag Ellert und Richter, Hamburg 2000. 96 Seiten, zahlreiche Abbildungen, eine Karte. Gebunden, 24,80 Mark. ISBN 3-89234-920-7.

          Heinrich Böll hat den Niederrhein im Gegensatz zum Mittelrhein einmal als den Schnapstrinkerrhein bezeichnet, den Rhein der Krähen, dessen Farben Grüngrau seien, Schwarz und Weiß, und der böse werden könne, wenn Hausrat im Fluß dahintreibe, ertrunkenes Vieh und entwurzelte Bäume. Von diesem Rhein, der Angst einflößt, wollen die Autoren der Bildreise nichts wissen. Ihnen geht es um die Schönheit des Niederrheins, der "platten" Tiefebene, die sich erst auf den "zweiten Blick" erschließe, wie sie schreiben. So widmen sie Wort und Bild schützenden Deichen, saftigen Wiesen, geheimnisvollen Weiden, verträumten Ufern und spiegelnden Seen. Unterbrochen werden die verklärenden Naturbeschreibungen durch Bilder und Berichte über römische Tempel, zauberhafte Dörfer und Städte, mächtige Burgen, gotische Dome, barocke Parkanlagen, prachtvolle Wohnhäuser, lebendige Häfen und glitzernde Glaspaläste. Dem schnellen Brüter in Kalkar, "Deutschlands teuerster Technikruine", werden zwar ein paar Zeilen gewidmet, ein Bild würde die Stimmung jedoch stören, und so bleibt es in Kalkar beim "Blick auf den Hochaltar von St. Nicolai" und dem "Mann mit dem Hut", Joseph Beuys, dessen Werke das Museum Schloß Moyland zu einer "Insel der Kunst" machen. Solche Verherrlichungen einer Landschaft und ihrer Kultur mögen beim Leser und vor allem beim Betrachter ein Gespür für Schönheit erzeugen. Aber die Bemühungen bleiben einseitig und fordern eine zweite Bildreise heraus, um auch Bölls dunklen, schwermütigen Fluß kennenzulernen, den er zugleich gefürchtet und geliebt hat. (A.W.)

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