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: Politischer Honig

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Die Menschen in Nürnberg und der Region ringsum haben das Fränkische Seenland längst als Naherholungsgebiet akzeptiert, im übrigen Deutschland dagegen ist diese Landschaft aus der Retorte noch immer eher unbekannt. Das ist schade. Denn seit im Juli 1970 vom Bayerischen Landtag einstimmig beschlossen wurde, ...

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          Die Menschen in Nürnberg und der Region ringsum haben das Fränkische Seenland längst als Naherholungsgebiet akzeptiert, im übrigen Deutschland dagegen ist diese Landschaft aus der Retorte noch immer eher unbekannt. Das ist schade. Denn seit im Juli 1970 vom Bayerischen Landtag einstimmig beschlossen wurde, im Dreieck zwischen Ansbach, Schwabach und Weißenburg mit einer gelegentlich als Jahrtausendwerk gefeierten Umgestaltung mäßig ertragreicher Landwirtschaftsflächen zu beginnen, ist hier eine Seenplatte mit Gewässern entstanden, die es an Größe mit den oberbayerischen Seen aufnehmen können, und sie ist von hohem touristischen Wert, weil die Natur erstaunlich schnell die tiefen, in den achtziger Jahren von Baggern geschlagenen Wunden vernarben ließ. Heute hat dieses Kunstprodukt sogar eine eigene Schönheit, so daß sich, als im Juli 2000 Edmund Stoiber das neue Land der Bevölkerung als "vollendet" übergab, daraus eine Menge politischer Honig saugen ließ. In den Hintergrund tritt dabei - auch in diesem Buch ist es nicht erwähnt -, daß die fünf Seen nicht in erster Linie für den Fremdenverkehr und nicht nur als Ausgleich zwischen dem trockenen Nordbayern und dem "nassen" Südbayern geschaffen wurden, sondern primär dazu dienen sollen, dem umstrittenen Rhein-Main-Donau-Kanal auf dem Teilstück zwischen Nürnberg und Kehlheim das Wasser einzuspeisen. Kaum mehr im Gedächtnis ist auch, daß durch die gigantischen Baumaßnahmen ein enormer sozialer Wandel eingetreten ist und 2500 Hektar Land samt einigen bedeutenden Kulturgütern untergegangen sind. So findet man erst im Kapitel 13 dieses Buches einen Hinweis auf Verluste - etwa elf historische Mühlen im Brombachtal - und auf menschliche Tragödien wie die des Langweidmüllers, der seinen fünfhundert Jahre alten Familiensitz erst verließ, als das geflutete Wasser die Haustür erreicht hatte. Daß der Autor im folgenden Kapitel diese dramatische Randerscheinung fast wortgenau wiederholt, wäre nicht notwendig gewesen, aber vielleicht sollte ein kleines Gegengewicht zu all dem Sonnenschein geschaffen werden, der in dem Buch überwiegt, dessen Ton durch das Bestreben, die Routen-Beschreibungen gut lesbar zu machen, manchmal zu neckisch wird. An intimer Kenntnis der Landschaft fehlt es den Autoren jedoch nicht, und man hat das Gefühl, daß man sich mit ihrer Hilfe auf den dreißig Fuß- und Radtouren nicht verirren kann, kein gutes Gasthaus verpaßt und keine Sehenswürdigkeit versäumt - darunter eine Menge alter Schönheiten wie die barocke Pracht der Deutschordensstadt Ellingen, Schloß Ratibor und Burg Abenberg, die Massendorfer Schlucht oder die Mühlen im romantischen Tal der Roth.

          tg

          "Fränkisches Seenland - Freizeittouren für Genießer" von Gisela Lipsky, Barbara Neukam und Uwe Ritzer. Ars vivendi Verlag, Cadolzburg 2006. 176 Seiten, zahlreiche Fotos, 31 Karten. Broschiert, 13,90 Euro. ISBN 3-89716-701-8

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