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: Liebeskummer ohne Happy End

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Man kann sich kaum daran gewöhnen. Der Autor Ingo Swoboda, Weinjournalist aus Eltville, folgt in seinem Buch "Rheingau, du Dichtertraum" dem Anspruch einiger Berufs-Rheingauer, die dem heute allgemein gebräuchlichen Begriff "der Rheingau" die auf das Althochdeutsche verweisende Form "das Rheingau" entgegensetzen wollen.

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          Man kann sich kaum daran gewöhnen. Der Autor Ingo Swoboda, Weinjournalist aus Eltville, folgt in seinem Buch "Rheingau, du Dichtertraum" dem Anspruch einiger Berufs-Rheingauer, die dem heute allgemein gebräuchlichen Begriff "der Rheingau" die auf das Althochdeutsche verweisende Form "das Rheingau" entgegensetzen wollen. Und da selbst Goethe, von Swoboda als "Dichterfürst" gewürdigt, 1814 den Weg "ins angenehme Rheingau" genommen hat und auch so mancher alte Mainzer "ins Rheingau" gefahren ist, fühlen sich die Das-Rheingau-Advokaten auf der sicheren Seite. Der Rezensent dagegen hört auf den Brockhaus und bleibt bei "der Rheingau", zumal auch Thomas Mann in seinem Roman "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" der männlichen Form den Vorzug gibt. Die Lebensbeschreibungen des Rheingauers Krull, des Sohns eines bankrotten Sektfabrikanten, beginnen mit dem Satz: "Der Rheingau hat mich hervorgebracht . . .". Was Swoboda unter "das Rheingau" dann anbietet, ist ein Verschnitt aus Geschichte und Kultur, Landschaftsbeschreibungen und Sehenswürdigkeiten, Wein und Weingütern sowie Gastronomie und Rezepten. Nach drei einführenden Kapiteln über "das Rheingau", den Rheingauer und die Rheinromantik beginnt die Wanderung: von Wicker aus, dem östlichen Eckpunkt des Weinbaugebiets, bis hinunter nach Lorch und Lorchhausen. Wer den Rheingau nicht näher kennt, kann den Reiseführer mit Gewinn lesen. Wer mit der Region besser vertraut ist, wird einiges vermissen. Dass die Domäne Schloß Johannisberg längst nicht mehr im fürstlichen Besitz ist, sondern der Familie Oetker gehört, wird ebenso verschwiegen wie das jahrelange imageschädigende Gezerre um den Verkauf und den Fortbestand der Weinbrennerei Asbach. Auch die große Bedeutung der Sektherstellung für den Rheingau lässt Swoboda ziemlich kalt. Die beiden traditionsreichen Kellereien Henkell und Söhnlein (beide inzwischen unter einem Dach vereint) werden nicht einmal erwähnt (nur Schloß Vaux und der Eltviller Küfer und Firmengründer Matheus Müller werden beiläufig genannt). Auch das "Graue Haus" in Winkel, das älteste erhaltene Steinhaus Deutschlands, ist Swoboda keine Zeile wert, ebenso wenig das Schicksal Karoline von Günderrodes, der "Sappho der Romantik", die sich 1806 aus Liebeskummer am Rheinufer in Winkel erdolcht hat. Sie passt wohl nicht so recht in Swobodas "Dichtertraum".

          Do.

          "Rheingau, du Dichtertraum. Ein Reisebuch für Weinliebhaber und Genießer feiner Speisen" von Ingo Swoboda. Daedalus Verlag, Münster 2009. 127 Seiten, zahlreiche Abbildungen und Rezepte. Gebunden, 19,95 Euro.

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