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: Liebesbriefe aus dem Chaos

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Also, Rom. Sie wissen schon: die Stadt des Kolosseums, des Chaos, der Kaffeebars und so weiter. Viel beschrieben, besprochen und besehnsüchtelt von deutschen Dichtern, Denkern und Reisebuchautoren. Würde man ihre Rom-Bücher aufeinanderstapeln, könnte man wohl einen Berg bilden, so hoch wie der Kapitolshügel.

          Also, Rom. Sie wissen schon: die Stadt des Kolosseums, des Chaos, der Kaffeebars und so weiter. Viel beschrieben, besprochen und besehnsüchtelt von deutschen Dichtern, Denkern und Reisebuchautoren. Würde man ihre Rom-Bücher aufeinanderstapeln, könnte man wohl einen Berg bilden, so hoch wie der Kapitolshügel. Wer heute über die ewige Stadt schreiben will, der muß sich anstrengen, um noch originell zu sein. Nun also: Noch ein Rom-Buch. Eines, das sich recht prosaisch nach dem Reihentitel des Piper Verlags "Gebrauchsanweisung" nennt. Verfaßt hat es die Journalistin Birgit Schönau, die aus der italienischen Hauptstadt für deutsche Zeitungen berichtet. Es ist die richtige Urlaubslektüre für Reisende, die sich für den Alltag hinter der Dolce-vita-Fassade interessieren. Denn die Mamma zweier kleiner Römer erzählt mit liebevoller Ironie von all dem, was das Leben zwischen barocken Palazzi und antiken Trümmern ausmacht: von den Nachbarn mit den großen Herzen und Stimmen, der Hölle der Postämter und den blondgefärbten Signore mit dem unfehlbaren Geschmack. Von den Fußballfans und ihren Heiligenlegenden und den Vatikan-Angestellten und ihrer Fußballmannschaft. Von dem geheimnisvollen Ampel-Mechanismus, den alle Römer verinnerlicht haben, und vom römischen Lieblingsthema: dem Essen. Mit Witz und Charme beschreibt die Autorin, wie man am Tiber flaniert, liebt, regiert, zur Schule geht, sich amüsiert und und zu Grabe bettet. Und bei aller Sympathie verschweigt sie auch weniger liebenswerte Marotten nicht - etwa die Vorliebe des römischen Bürgertums für billige Hausmädchen von den Philippinen. All das kommt so erfrischend daher wie ein Zitronensorbet an einem heißen Augustnachmittag und dürfte Rom-Touristen so manche Flausen austreiben: Wer etwa beim Espresso auf der Piazza Navona von einer eigenen kleinen Wohnung im Palazzo nebenan träumt, den könnten Schönaus dramatische Schilderungen einer Wohnungssuche alla romana recht schnell in die Realität zurückbringen. Und der Ausländer, der gerne mal die in der Bar aufgeschnappten Kraftausdrücke aus dem Romanesco in Gespräche mit Einheimischen einbringt, lernt nun, daß das nicht immer gut ankommt, mannaggia! Schade nur, daß die Autorin weniger pittoreske Viertel abseits der ausgelatschten Touristenpfade, in denen sich heute ein Großteil des römischen Lebens abspielt, völlig ausspart. Hier hätte es noch eine Chance für Entdeckungen gegeben. Trotzdem: Auf den Berg der Rom-Bücher darf man Schönaus "Gebrauchsanweisung" gerne noch draufstapeln.

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          "Gebrauchsanweisung für Rom" von Birgit Schönau. Piper Verlag, München 2004. 185 Seiten. Gebunden, 12,90 Euro. ISBN 3-492-27535-4.

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