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: Liebe und Zorn

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Der Rhein-Sieg-Kreis in Nordrhein-Westfalen ist nächst dem Kreis Recklinghausen der zweitgrößte Kreis in Deutschland, der viele Denkmäler rheinischer Geschichte und etliche Schlafstädte ungefragt zusammenfasst. Zu seinen Plagen gehören die unübersichtliche räumliche Differenzierung rechts wie links ...

          Der Rhein-Sieg-Kreis in Nordrhein-Westfalen ist nächst dem Kreis Recklinghausen der zweitgrößte Kreis in Deutschland, der viele Denkmäler rheinischer Geschichte und etliche Schlafstädte ungefragt zusammenfasst. Zu seinen Plagen gehören die unübersichtliche räumliche Differenzierung rechts wie links des Rheins, der Bindestrich im Namen und das Autokennzeichen "SU", das in den stolzen Nachbarstädten Bonn und Köln nur missgünstig gelesen wird als "Sau unterwegs". Zu seiner Vierzig-Jahr-Feier, die eigentlich eine der deutschen demokratischen Bürokratie hätte sein müssen, ist eine weitere hinzugekommen: ein Bildband über ebendiesen Kreis. Vier Fotografen haben in Bild und teils auch im eigenen Wort dem regionalen Kunstgebilde nachgespürt, und nur einer von ihnen, Axel Thünker, wollte offenbar eine Ahnung von den landschaftlichen Schönheiten und kulturellen Reichtümern der Gegend vermitteln. Noch den Drachenfels mit eingerüsteter Ruine feiert er in einem fotografierten Landschaftsgemälde. Die übrigen, in seiner Radikalität allen voran Stefan Worring mit endemischen Eisenbahntrassen, betonierten Straßenstelzen sowie den Lärmschutzwänden längs der A 3, dämpfen die Lichtbildnerei. Nicht einmal das weithin sichtbare Kirchlein der Siegburger Benediktinerabtei auf dem Michaelsberg, das sogar von der Autobahn aus anheimelnd wirkt, darf sich hier frei entfalten. Es ist im Bild von Leitplanken und öden Glasfassaden zugestellt. Dass gleich zwei große Universitäten in der Nähe liegen, bedeutende Museen, die Beethovenhalle und eine gefeierte Philharmonie, sieht man diesem Panorama trister Provinzialität und piefiger Behaglichkeit nicht an. Was bleibt, ist der Mensch - meist in seiner Freizeit angetroffen, oft ins Brauchtum eingebunden, und auch da, zumindest auf den Fotos, lange nicht im einundzwanzigsten Jahrhundert angelangt. Nur in den knappen Texten scheint eine Ahnung dessen auf, warum es sich hier gut leben lässt.

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          "Mitten im Westen. Eine Entdeckungsreise durch den Rhein-Sieg-Kreis", herausgegeben vom Landrat des Rhein-Sieg-Kreises. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2009. 159 Seiten, zahlreiche Abbildungen. Gebunden. 19,95 Euro.

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