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: Kunst des Überflüssigen

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Nichts, was in diesem Büchlein steht, muß man wissen, nichts sichert das Überleben, vertieft die Erkenntnis, mehrt den Reichtum. Doch alles, was man in diesem Sammelsurium des Überflüssigen liest, würde man vermissen, gäbe es das Büchlein nicht. Das ist die Kunst der Beiläufigkeit: Ben Schott sammelt Kuriositäten ...

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          Nichts, was in diesem Büchlein steht, muß man wissen, nichts sichert das Überleben, vertieft die Erkenntnis, mehrt den Reichtum. Doch alles, was man in diesem Sammelsurium des Überflüssigen liest, würde man vermissen, gäbe es das Büchlein nicht. Das ist die Kunst der Beiläufigkeit: Ben Schott sammelt Kuriositäten aus der Welt des Kulinarischen, Fundstücke, die an sich keine Bedeutung, sehr wohl aber einen Wert haben, auch wenn er in nichts weiter als einem kleinen Erstaunen, einem flüchtigen Wer-hätte-das-gedacht besteht. Er trägt Trinksprüche in zwei Dutzend Sprachen zusammen, ruft sich Brillat-Savarins Gebote der Tafelfreuden ins Gedächtnis, erinnert sich an berühmte Speisen auf der Leinwand, erklärt die Beschaffenheit eines norwegischen Omeletts, schlüsselt die Zusammensetzung des klassischen Curry-Pulvers auf, läßt James Bond über Sake sinnieren, beziffert den Kalorienverbrauch beim Sex und weiß zu berichten, daß das französische Röstgemüse Mirepoix seinen Namen dem Edelmann Charles de Lévis, duc de Mirepoix verdankt. Na und, könnte man fragen, und verstünde dieses Buch nicht. Denn sein versteckter Trost ist die Gewißheit, daß nicht alles im Leben Sinn und Zweck haben muß, sondern auch Nebensächliches eine Existenzberechtigung hat: Belanglosigkeit ist immer relativ. Und wer weiß schon, wozu es eines Tages gut sein könnte, zu wissen, daß das sambische Volk der Bemba das heftige Verlangen nach Fleisch "Ubukashya" nennt.

          str.

          "Schotts Sammelsurium - Essen & Trinken" von Ben Schott. Bloomsbury Verlag, Berlin 2005. 159 Seiten, einige Illustrationen. Gebunden, 16 Euro. ISBN 3-8270-0607-4.

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