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: Kubaner machen Musik

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Man muß nicht zynisch sein, um zu erkennen, daß der Tourismus von unbeweglichen politischen Systemen profitiert. In starrem Lebensklima erfüllt sich auch bei schnellstem Wandel anderswo der Urlaubertraum von einem Ort, der auf ewig unverändert bleibt - gleichsam als Wirklichkeit gewordene Erinnerung. Kuba ...

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          Man muß nicht zynisch sein, um zu erkennen, daß der Tourismus von unbeweglichen politischen Systemen profitiert. In starrem Lebensklima erfüllt sich auch bei schnellstem Wandel anderswo der Urlaubertraum von einem Ort, der auf ewig unverändert bleibt - gleichsam als Wirklichkeit gewordene Erinnerung. Kuba ist ein solcher Ort: seit fünfundvierzig Jahren im Klammergriff des Diktators Fidel Castro, der inzwischen zehn amerikanische Präsidenten im Amt überlebt hat. Das Verhältnis oder richtiger: Nichtverhältnis zu den Vereinigten Staaten bestimmt genauso lange das Leben auf der Insel, die unter der Embargopolitik der Amerikaner nie zusammengebrochen ist, vielmehr eine ganz eigene Philosophie des Widerstehens entwickelt hat. Und da die Amerikaner nie etwas von Kuba unter Castro wissen wollten, hat sich diese Insel im Gegensatz zu vielen anderen in der Karibik auch nie dem "Way of Life" des Nachbarn im Norden preisgegeben - sie hat ihre eigene Evolution vollzogen. Auch deshalb kann Kuba für Touristen im eigentlichen Wortsinn eine Insel der Glückseligen sein. Dieser Reiseführer, eine Übertragung des englischen Originals, das in der durchaus tourismuskritischen Reihe der Rough Guides erschien, gestattet sich ganz selbstverständlich die eine oder andere Sentimentalität wie aus dem Reiseprospekt, wenn es etwa um die bonbonbunten, verbeulten amerikanischen Straßenkreuzer der Zeit vor Castro und das Handelsverbot geht oder die legendäre Geselligkeit der Kubaner, ihre unbändige Lust am Feiern, Tanzen und der Musik. Man hat das schon oft gehört und gelesen. Doch es ist ein dickes Buch, es hält viele Meinungen aus; und neben einigermaßen banalen Einschätzungen etwa von Restaurants oder Hotels gibt es viel Anregendes für eine Reise auf eigene Faust durch dieses Wunderland eines ganz eigenen Sozialismusbegriffs. Mehrere Dutzend Kürzesttexte - "Wissenswertes im Kasten" - werfen Blitzlichter auch auf allerlei Besonderheiten im vergangenen und gegenwärtigen Kuba. Dort findet sich etwa eine Schrulle über Ernest Hemingways Faible für diese Insel und seine Bereitschaft, mit der eigenen Yacht im Zweiten Weltkrieg Jagd auf deutsche U-Boote zu machen. Er tat das vor allem, so erzählte seine damalige Frau später, um an das rationierte Benzin zu kommen, das er für seine Angelausflüge brauchte.

          A.O.

          "Kuba" von Fiona McAuslan und Matthew Norman. Stefan Loose Travel Handbücher, Berlin 2003. 544 Seiten, zahlreiche Farb- und Schwarzweißfotos, Karten und Pläne. Broschiert, 21,95 Euro. ISBN 3-7701-6146-7.

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