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: Jungen Mädchen hinterherschauen

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Die Alster in Hamburg war ursprünglich ein zu groß geratener Mühlenteich. Der Jungfernstieg hieß Mühlendamm. Erst 1648 kam er zu seinem Namen, weil die Damen aus Hamburg gern an der Alster spazierengingen. Und die Herren sich gern die Damen ansahen. Auch Heinrich Heine saß dort und "dachte, was ein ...

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          Die Alster in Hamburg war ursprünglich ein zu groß geratener Mühlenteich. Der Jungfernstieg hieß Mühlendamm. Erst 1648 kam er zu seinem Namen, weil die Damen aus Hamburg gern an der Alster spazierengingen. Und die Herren sich gern die Damen ansahen. Auch Heinrich Heine saß dort und "dachte, was ein junger Mensch zu denken pflegt, nämlich gar nichts, und betrachtete, was ein junger Mensch zu betrachten pflegt, nämlich die jungen Mädchen, die vorübergingen". An der Alster war jene Flaniermeile entstanden, die neben Hafen und Reeperbahn bis heute zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt zählt. Der Jungfernstieg war 1708 die erste gerade Straße Hamburgs. Um 1800 war die Alster nicht mehr der Hinterhof Hamburgs - abgewandt von der Schauseite entlang der Elbe. Sie war vielmehr ein Salon geworden. Dieser schöne Vergleich ist in dem Buch nachzulesen, das aus zwei Gründen etwas Besonderes ist. So überraschend es klingt, es ist das erste Buch über den Jungfernstieg überhaupt. Und: Zweck des Buchs ist es, für den neuen Jungfernstieg zu werben. Daher der etwas unglücklich klingende Titel "Der Jungfernstieg - gestern, heute, übermorgen". Die Flaniermeile ging im Laufe der Zeit an den Straßenverkehr verloren, und schließlich waren es nur noch die Landungsbrücken, die man meinte, wenn man vom Jungfernstieg sprach. Was es noch an Bäumen gibt, steht heute auf einer Verkehrsinsel. Der neue Jungfernstieg nun ist ein Ergebnis bürgerschaftlichen Engagements, das es in Hamburg immer noch ein wenig leichter hat als anderswo. Die ersten Spenden wurden gesammelt. Im vorigen Jahr erklärte sich der Senat bereit, vier Millionen Euro für die Veränderung des Verkehrsraums zu geben. Ein Architekturwettbewerb wurde ausgeschrieben. Der schlichteste Entwurf gewann und soll fast vollständig umgesetzt werden. Er will den Charakter des alten Jungfernstiegs in unsere Zeit hinein übersetzen. Wie früher soll es drei Reihen Linden geben. "Elegant, lebendig, hanseatisch" werde der Platz, schwärmt das Buch und zeigt in Architektenzeichnungen den neuen Jungfernstieg bei Tag und bei Nacht auf zwei ausklappbaren Seiten. Ein Euro von jedem verkauften Buch kommt dem Projekt zugute. "Übermorgen" meint das nächste Jahr, wenn der neue Jungfernstieg fertig sein soll.

          F.P.

          "Der Jungfernstieg - gestern, heute, übermorgen" herausgegeben von Dorothée Engel. Verlag Die Hanse, Hamburg 2003. 112 Seiten, zahlreiche Abbildungen. Gebunden, 19,90 Euro. ISBN 3-434-52606-4.

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