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: Im Slalom um die Brennpunkte

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Die Zahl der Bücher über Jerusalem ist nicht zu überschauen - kein Wunder bei einer Stadt, in der sich immer schon Weltbewegendes ereignete. Gerade deswegen ist jeder neue Versuch spannend, wie das Problem gelöst wird, ein komplexes Bild des "heiligen Orts" zu bieten. Der Herausgeber dieses Lesebuchs betont, ...

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          Die Zahl der Bücher über Jerusalem ist nicht zu überschauen - kein Wunder bei einer Stadt, in der sich immer schon Weltbewegendes ereignete. Gerade deswegen ist jeder neue Versuch spannend, wie das Problem gelöst wird, ein komplexes Bild des "heiligen Orts" zu bieten. Der Herausgeber dieses Lesebuchs betont, dass er sich um eine gewissermaßen parteilose und religionsübergreifende "Zusammenschau" bemüht habe und sich alle Autoren für eine Verständigung zwischen Israelis und Palästinensern engagierten. Ganz gelungen ist das Vorhaben nicht. Das liegt vor allem daran, dass die alten Kronzeugen - Ferdinand Gregorovius, Ludwig August Frankl oder Sven Hedin zum Beispiel - wohl von der mythischen Ausstrahlung Jerusalems ergriffen waren, sich aber wenig für die politischen Verhältnisse interessierten. Noch war ja Jerusalem nicht Synonym für einen erbitterten Kampf um politisch-religiöse Rechte, und noch war die Stadt eher ein Ort der Legenden als ein Brennpunkt. Heute jedoch zwingt die Aktualität zu einer anderen Betrachtungsweise, und so kommt den Stimmen aus der Gegenwart besondere Bedeutung zu. Der Herausgeber bietet hier ein recht breites Spektrum mit Texten von Roman Brandstätter, Stefan Heym oder Papst Johannes Paul II., spürbar aber ist eine gewisse Vorsicht, die kritische Auseinandersetzung nicht zu weit zu treiben, und das Bemühen, dem christlichen Aspekt Raum zu geben. So kommt es, dass viele Erzählungen zwar interessante Stimmen sind, aber eben nur gutmütig-distanzierte Betrachtungen.

          tg

          "Jerusalem - Die heilige Stadt. Ein Lesebuch", herausgegeben von Michael Baade. Verlag Herder, Freiburg 2009. 220 Seiten. Broschiert, 9,95 Euro.

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